D 2019, 111 min
FSK 0
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation

Regie: Dennis Kailing

Kinostart: 13.02.20

Noch keine Bewertung

Besser Welt als nie

Mal wieder nur sich selbst begegnet

Reisedokus von privaten Weltenbummlern boomen dank Digitaltechnik. Spiegelreflexkameras und Drohnen kosten nicht die Welt, sind leicht mitzuführen, und selbst Laien machen damit passable Aufnahmen. Und anscheinend reist heute kaum noch jemand, ohne einen Film, ein Buch oder zumindest einen Blog darüber zu machen, denn was sind Erlebnisse schon wert, wenn Mensch sie der Welt nicht mitteilt? Ich instagrame, also bin ich. Leider ist der Erkenntnisgewinn solcher Produktionen für das Publikum, das nicht zum erweiterten Freundeskreis der Filmemacher gehört, oft erschütternd banal: „Die Abfahrten im Kaukasus sind wahnsinnig schön.“ Ach was! „Was bleibt, ist die Erinnerung ...“ Oh je! „Alles, was hier zählt, ist die Dankbarkeit.“ Nun denn ... 

Dennis Kailing aus Hessen hat sich aufgemacht, die Welt mit dem Fahrrad zu erkunden. Von Gelnhausen aus ging es für den damals 24jährigen immer Richtung Osten, bis er nach zwei Jahren wieder in der Heimat ankam. Dazwischen hat er insgesamt 41 Länder auf fünf Kontinenten durchquert. Überhaupt hat der studierte Bauingenieur ein Faible für Statistik, so erfährt man im Abspann auch die Anzahl der gefahrenen Kilometer (43.578), die Durchschnittsgeschwindigkeit (18,52 km/h) oder die Zahl der platten Reifen (63). 

Zwischen Anfang und Abspann werden zwei Jahre in 111 Minuten gequetscht, in denen der Radler meist aus der Ich-Perspektive über das eigene Befinden vor exotischer Kulisse berichtet (freudig, krank, erschöpft, genervt, euphorisch etc.). Von den meisten Ländern und Begegnungen bleibt nicht mehr als ein oberflächlicher Eindruck, nur wenigen Situationen wird etwas mehr Raum gewährt, etwa, als sich Kailing wochenlang im australischen Outback schindet. Aber selbst diese Extremsituation bringt einem den Protagonisten nicht wirklich nah. Daß sich die Welt dem Reisenden meist freundlicher darstellt, als der durch die Nachrichten medial vermittelte Eindruck erwarten läßt, präsentiert Kailing als großes Fazit nach zwei Jahren Unterwegssein. 

So ist BESSER WELT ALS NIE in der Summe nicht mehr als ein überlanges privates Erinnerungsvideo mit hübschen Bildern. Für den jungen Radfahrer war die Reise sicher eine prägende Lebenserfahrung, aber sein Film ist ein eher unfreiwilliges Zeugnis dafür, daß man auch in der fernsten Ferne immer nur sich selbst begegnet.

[ Dörthe Gromes ]

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Besser Welt als nie ab heute im Kino in Leipzig

5 Meinungen zur Rezension oder zum Film

[ 18.02.20, 17:43:00 – michael eckhardt ]
hallo rob,
ich kürz' mal ab, da im prinzip alles gesagt ist: ja, ich ertrage keine reisefilme im kino mehr, da gehören sie meines erachtens nämlich auch nicht hin. mdr war schon ein guter stichpunkt ...
und nein, ich empfinde die rezension meiner geschätzten autorin nicht als mies, dafür als kritisch und genau darin ausgewogen.

und bitteschön: wer im kino "messages" und "rosa-brillen-sichten" mag, der darf doch sehr gern trotzdem hinschauen. wir halten wirklich niemanden ab, stehen aber für objektiven journalismus mit einem namen drunter und einer meinung dahinter.
vom PLAYER grüßt micha

[ 18.02.20, 16:42:48 – Rob ]
Ja ok, wir haben es verstanden. Sie mögen keine Reisefilme. Aber diese miese Rezension ist nicht gerechtfertigt. Ihr Frust springt dem Leser ja förmlich entgegen, oder ist es vlt sogar Neid? Sind sie glücklich mit dem was Sie machen? Wie wär's mit einem Tapetenwechsel? Ein neuer Job? Oder einer Reise? Vlt mit dem Fahrrad?! Ist übrigens eine sehr schöne Art des Reisens, und es muss ja nicht gleich die Welt sein. Sachsen ist auch ganz schön ;)

Der Protagonist hat etwas gewagt, was sich nicht viele Menschen trauen und hat mit dem Film eine Möglichkeit geschaffen den Zuschauer auf das Abenteuer mitzunehmen. Das nennt man dann Reisebericht. Und Berichte können durchaus subjektive Empfindungen oder Meinungen enthalten. Ob man sich die dann in Buchform, Gedichten, auf MDR oder im Kino zu Gemüte führt ist doch bitte jedem selbst überlassen.

Die Message des Films, dass die Welt eben doch nicht so schlecht ist, wie man sie durch die verzerrte Medienbrille kennt hat definitiv Relevanz. Wenn man denkt die Welt ist nicht so schlecht, denkt man vielleicht auch das Menschen aus anderen Teilen der Welt, die vlt auch anders aussehen und andere Traditionen haben, nicht so schlecht sind. Und wenn man diese Überzeugung hat, ist man vlt auch nicht mehr so empfänglich für die dummen Methoden und Phrasen mit denen manche Parteien (gerade auch in Sachsen ;)) ihre Schäfchen einfangen.

[ 07.02.20, 15:23:17 – Menny ]
Hey Michael,
Seite wurde mir weitergeleitet - ist doch auch schön so.
Kritisch gefällt mir, nur scheint es en vogue zu sein, dass man gerne "zerreißt".
Ein Film bleibt Machart (das Wort lädt geradezu ein, dessen Etymologie zu erkunden), wenn er nicht bis zum Verderben mir anderen gleichgeschaltet wird und nicht durch Automatismen totgepitcht wird.
Die Brille war ein nicer Konter, cheers! Vermutlich lässt sich aber mit den Einnahmen nicht gerade im Geldspeicher schwimmen..
Kümmer wollte ich wahrlich nicht auslösen.
Was sagst du zum Sound und dem Soundtrack, Michael?

LG von Menny

[ 07.02.20, 14:54:10 – Michael Eckhardt ]
liebe(r) menny,
darauf eingehen, daß meiner autorin vorgeworfen wird, nötige empathie sei verlorengegangen, möchte ich an dieser stelle nicht, derartige anschuldigungen führen zu nichts. ich sehe nur in kenntnis des "films" (machwerk, wie du es nennst, trifft es wirklich auf den punkt!), daß der macher selbst eine arg getönte brille trug, wie übrigens viele seiner kollegen, die sich auf diese weise die urlaubskasse nachträglich aufbessern. PLAYER liebt das kino und wird genau deswegen weiterhin kritisch bleiben.
und zur website: wenn du sie als derart antik empfindest, hab ich nur eine empfehlung parat: einfach nicht mehr nutzen, das erspart uns allen kummer :) es grüßt dennoch freundlich, micha vom PLAYER

[ 06.02.20, 22:24:34 – Menny ]
Ein absolut schöner Film, der von Begegnungen und Herangehenweisen bei einer Reise berichtet. Wenn man daraus schlussfolgern möchte, muss man sich einfühlen können. Man darf aber auch einfach mal genießen - das muss man sich heutzutage selbst gezielt erlauben.
Wenn Ihnen, liebe Rezensentin, die nötige Empathie verloren gegangen ist, berauben Sie sich selbst um den eigens ersehnten Tiefgang. Ihre Rezension impliziert von Anfang an, wie stark ihre Brille getönt sein muss, durch die Sie die Dinge betrachten.
Dokumentarische Filme dieser Machart rund um das Thema Reisen kann man nicht so banal zerpflücken - sie miteinander zu messen wäre vermessen.
Aber weil Sie's sind: Für die melodramatische Experience empfehle ich Ihnen "Berlin2Shanghai"! Bikes. Blood. Sweat. Tears.
Im Falle von zukünftigen Rezensionen wünsche ich mir von Ihnen eine differenziertere Auseinandersetzung. Gerne dürfen Sie dabei auch auf positive sowie auch negative Aspekte tiefer eingehen und dem Text somit mehr Kontrast verleihen.
Diese Webseite ist mit Verlaub äußert antik und sollte dringend generalüberholt werden.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und allzeit einen guten TinderGrind! :-)

Menny




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