Originaltitel: CHOCOLAT

USA 2000, 110 min
Verleih: Senator

Genre: Tragikomödie, Liebe

Darsteller: Alfred Molina, Juliette Binoche, Judi Dench, Lena Olin, Leslie Caron

Regie: Lasse Hallström

Kinostart: 15.03.01

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Chocolat

Betuliches Gutmenschen-Kino

Der Titel ist Programm, denn Schokolade gibt es in Lasse Hallströms neuestem Werk in rauhen Mengen, fest oder flüssig, mit oder ohne Nuß, raffiniert gewürzt oder einfach nur süß. Doch der Einblick in das wohl leckerste Kapitel der Geschichte kulinarischer Dickmacher birgt tieferen Sinn. Es geht um den Kampf zwischen bigotter Moral und Leidenschaft. Letztere hält mit der schönen Vianne und ihrer Tochter Anouk Einzug in das französische Städtchen Lansquet-sous-Tannes. Hier, im Muff der 50er Jahre, wacht Bürgermeister Comte de Reynaud über Anstand und Sitte und predigt Enthaltsamkeit.

Als nun Vianne in Sichtweite der Kirche eine Chocolaterie eröffnet und bei den der Askese verpflichteten Bürgern unerhörten Zuspruch findet, ist ihr der Zorn des adeligen Tugendwächters gewiß. Das Kriegsbeil gegen die geheimnisvolle Fremde ist ausgegraben, doch auch Vianne führt edle Waffen: Ihre Schokoladenspezialitäten wecken Neugier, und mit Lebensklugheit und Hilfsbereitschaft stiftet sie Gutes.

Lasse Hallström läßt es im Nachfolger des gefeierten GOTTES WERK & TEUFELS BEITRAG beschaulich angehen: Kleinstadtidylle, eine leicht nachvollziehbare Fabel und eine Botschaft von berückender Schlichtheit. Doch was hier als großer Konflikt aus einer märchenhaften Geschichte herauslugt, gerät zum Balanceakt zwischen erzählerischem Kunsthandwerk und frappierender Einfalt: Feinde zu Freunden, Bösewichter zu netten Nachbarn!

Natürlich haben Hallströms Figuren die obligaten Brüche, ja, doch jede Bügelfalte in einem Taschentuch ist aufregender. So kann es kaum verwundern, wenn eine großartige Schauspielerin wie Juliette Binoche mit der Eindimensionalität einer guten Fee durch die Kulissen menschelt und darstellerische Vielschichtigkeit durch eingebranntes Lächeln ersetzt. Verschenkt auch ein weiteres As im Besetzungsärmel: Johnny Depp darf zwar als leidenschaftlicher Zigeuner die Glutaugen blitzen lassen, bleibt aber Fremdkörper im Ensemble - eben nur ein Durchreisender.

[ Sylvia Görke ]

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