Originaltitel: CONTROL

GB/USA/Australien/J 2007, 121 min
FSK 12
Verleih: Capelight

Genre: Drama, Biographie, Musik

Darsteller: Sam Riley, Samantha Morton, Alexandra Maria Lara, Joe Anderson, James Anthony Pearson

Stab:
Regie: Anton Corbijn
Produktion: Anton Corbijn

Kinostart: 10.01.08

1 Bewertung

Control

Ein Musikerporträt als emotionales Ereignis

Biopics haben es wohl leider immer etwas schwerer: Wer den im Mittelpunkt stehenden Menschen nicht kennt, interessiert sich eher selten für dessen Leinwandpendant, und Verehrer des Porträtierten verzichten gerade wegen ihres umfassenden Informationsvorsprungs auf den Kinobesuch. Zwei Klippen, welche Anton Corbijn in seinem Regiedebüt souverän umschifft.

Er hat sich der Geschichte des Joy Division-Sängers Ian Curtis angenommen, und man versteht selbst in Unkenntnis seines Namens auf den ersten Blick, wieso Corbijn als Fotograf eine Weltkarriere verzeichnet. Das Spiel mit Licht und Schatten nutzt alle Möglichkeiten kontrastreichen Schwarz-Weiß’, die Kameraarbeit fesselt stets durch ihre Präzision. Teils birgt sie eine Fiebrigkeit, welche Curtis’ kurzes Leben in seiner Zerrissenheit zwischen Erfolg und Depression besser widerspiegelt als jeder Dialog. Kein Wort zu viel, nirgends überflüssige Erklärungen.

Auch sonst legt Corbijn Wert auf Realismus – er fängt nicht nur dieses tragische Schicksal adäquat bebildert ein, sondern verzichtet zudem auf Liveaufnahmen. Hier singen, spielen, leiden die Darsteller selbst auf der Bühne, trifft Sam Riley im Original exakt Curtis’ betont emotionslose Auftritte. Eine Leistung, die sonst möglicherweise pathetisch klingende Sätze wie "Life’s Not Happening To Me – I’ve No Control Anymore" praktisch am eigenen Leib fühlbar macht.

Dies ist weit über den Musikfilm, das simple Biopic hinaus aber ebenso die universelle Geschichte einer Ehe, welche niemals oder zumindest nicht so schnell hätte geschlossen werden dürfen – inklusive aller fataler Konsequenzen. Daß Curtis an Epilepsie litt, verleiht dem Geschehen eine zusätzliche tragische Qualität, und abschließend gelingt es CONTROL meisterlich, nicht nur das Sittenbild einer Generation zu zeichnen, sondern auch die Schattenseiten des frühen Ruhmes zu zeigen, welcher in seiner Zerstörungswut kein Regulativ kennt.

Muß man also zwangsweise ein Fan von Joy Division sein oder im Umkehrschluß nie etwas von der Band gehört haben, um dieses Werk würdigen zu können? Weder noch. Ausgeprägtes Interesse an lange nachhallenden Filmen genügt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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