Originaltitel: DAVID LYNCH: THE ART LIFE

USA/DK 2016, 88 min
FSK 0
Verleih: NFP

Genre: Dokumentation, Biographie

Regie: John Nguyen, Rick Barnes, Olivia Neergaard-Holm

Kinostart: 31.08.17

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David Lynch: The Art Life

Reflexionen zwischen Reden und Rauch

Natürlich ist David Lynch einer der ganz Großen des Kinos. Muß man das erwähnen? Inzwischen ja. Ein Alptraum-Meister, dessen Filme oft selbst ganz und gar einer Traumlogik folgen. Die Welt darin ein rigoros individueller Spiegel der Wahrnehmung und die Wahrnehmung selbst ein manchmal kalt splitterndes, mal sumpfig amorphes Etwas. Grell schön, häßlich verzerrt. Pathologisch und artifiziell. In der Art und Weise und der Konsequenz, in der Lynch das betrieb, ist er ein Solitär; Film als narrativ irrlichterndes, audiovisuelles Gesamtkunstwerk begreifend.

Dem Film, oder zumindest dem Kino, hat Lynch, seit jeher auch als bildender Künstler wie auch Komponist arbeitend, jedenfalls schon vor mehr als einer Dekade den Rücken zugekehrt. Oder vielleicht auch das Kino Lynch, wer kann das schon genau sagen. INLAND EMPIRE (2006) hieß seine letzte Arbeit für die Leinwand und war genaugenommen das fast schon manische Postulat einer Verweigerung, der Schlußstrich unters Kino mit den Mitteln des Kinos. Eine Zersetzungsarbeit an den Erzählmustern einer Kunstform, die Lynch zu begrenzt wurde.

Warum, läßt sich ahnen, wenn man jetzt DAVID LYNCH: THE ART LIFE sieht. Eine Doku, die aber erst einmal etwas anderes zeigt: daß nämlich auch im Falle Lynchs der Künstler nicht halb so faszinierend ist, wie das Gros seiner Kunst, zumal seiner Filmkunst. Ein Eindruck, der allerdings auch dadurch entstehen könnte, daß der Meister hier offensichtlich von Jüngern heimgesucht wurde, die dem Gegenstand ihrer Verehrung derart gebannt beim Reden und Rauchen zuhören und zuschauen, daß die ganze Angelegenheit partiell wie die Travestie einer Predigt samt Weihrauchwölkchen rüberkommt.

Da gibt man Lynch doch etwas zu viel Platz für eine Selbstinszenierung, die wenig überraschend eine Selbst-Stilisierung ist. Andererseits ist das nicht ohne Reiz. Klar, der Kerl hat Charisma. Klar führt der auch das Publikum am Nasenring durch seine Welt, sein ganz persönliches Inland Empire, das letztlich indes genauso artifiziell, echt, konstruiert ist, wie die Filme, wie die Kunst David Lynchs.

Der Film ist eine Lebens- und Kunstreflexion, die auch mit hübsch morbiden Kindheitserinnerungen unterhält, Einflüsse, Prägungen, Motive zur Sprache bringt und dabei Lynchs bildnerisches wie kompositorisches Werk suggestiv in Szene setzt. Daß der biographische Bogenschlag dort aufhört, wo Lynchs Kinokarriere 1977 mit ERASERHEAD anfing, ist dabei so schade wie in sich schlüssig.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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