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Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuß

Deutsches Genrekino als Trauerspiel

Blicken wir mal positiv. Also von wegen Glas halb voll und nicht halb leer, und weil man sich ja selbst schon nicht mehr hören kann mit seinem ewigen Gemecker bezüglich des kläglichen Gemickers namens „deutsches Genrekino.“ Weshalb hier noch einmal ausdrücklich auf Filme wie STEREO oder WHO AM I verwiesen sei, zwei jüngere Streifen aus heimischen Gefilden, ob denen man, zumindest was die Handhabung von Thriller-Sujets betrifft, ein optimistisches „Na also, geht doch“ von sich zu geben geneigt sein kann.

Nun also DIE EINSAMKEIT DES KILLERS VOR DEM SCHUSS. Ein Film, der, wahrlich ehrgeizig, zwei Genres zusammenbringen will, die das deutsche Kino ja schon getrennt eher selten im Griff hat: Thriller und Komödie, also Spannung und Humor, sogar satirisch-parodistischen. Florian Mischa Böder heißt der Tollkühne, der die Sache anging, als Regisseur und Drehbuchautor (Letzteres gemeinsam mit Clemens Fernandez Gil) eine Geschichte erzählend, die uns Profikiller Koralnik vorstellt. Der arbeitet im Auftrag der EU (Achtung: Satire), was allerdings konkret heißt: Koralnik arbeitet eben nicht, weil es nichts zu arbeiten für ihn gibt. Also darbt er seelisch, dieser Mann, der gern ein eiskalter Engel wäre, aber nur ein kaltgestellter Angestellter ist. Einer, der sich in qualvoller Selbstdisziplin übt. Hoffend, daß eines Tages der große Auftrag kommt, und er das tun kann, wofür er ausgebildet wurde. Und natürlich: Der Auftrag wird kommen. Aber – natürlich – ganz anders als erwartet. Und eine weibliche Schönheit in blond, die kommt ebenfalls (was ja irgendwie auch zu erwarten war), und Koralnik schlittert ins Abenteuer à la deutsche Thriller-Komödie.Die hier allerdings, reden wir nicht drumrum, ein Trauerspiel ist.

Man weiß gar nicht, wo man anfangen soll: Beim Standardsymptom fürs unfilmische Erzählen, nämlich dem Gebrauch einer Off-Stimme, die nervig sülzt? Den garstigen Anschlußfehlern, die gern hämisch lauern? Bei den pointierten Dialogen, die die Komödie, und den lakonischen Dialogen, die der Thriller braucht, aber die hier konsequent fehlen? Vielleicht, weil man annahm, es reiche, wenn man Benno Fürmann (Koralnik) stattdessen immer wieder mal zum Grimassieren nötigt? Nein, reicht nicht. Und ja: Man könnte auch auf zwei, drei gelungene Einfälle verweisen (die Sache mit dem abgeschossenen Zeh etwa), aber auch das würde nichts nützen. Das Glas ist halb leer. Positiv betrachtet.

D 2014, 80 min
FSK 12
Verleih: Camino

Genre: Thriller, Komödie

Darsteller: Benno Fürmann, Mavie Hörbiger, Wolf Roth

Regie: Florian Mischa Böder

Kinostart: 13.11.14

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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