Originaltitel: NORMANDIE NUE

F 2018, 105 min
FSK 6
Verleih: Concorde

Genre: Tragikomödie

Darsteller: François Cluzet, Toby Jones, François-Xavier Demaison, Arthur Dupont, Grégory Gadebois

Regie: Philippe Le Guay

Kinostart: 16.08.18

3 Bewertungen

Ein Dorf zieht blank

Entblößte Hintern im Widerstand

Das kommt recht aus der Kalten: Erst will uns eine Off-Erzählerin in kuschelige Komödien-Stimmung versetzen, schwärmt vom Dorf Mêle-sur-Sarthe, überschaubare Einwohnerzahl und nur eine Hauptstraße, ganz intim halt, ein friedliches Jeder-kennt-jeden-Paradies. Und dann: Wirtschaftskrise, erhöhte Suizidrate, in der Scheune erhängte Bauern. Dazu die Depression gleichermaßen auf optischer Ebene, grau-braune Klamotten unter hängenden Mundwinkeln allerorts. Okay, also umfühlen, doch Drama.

Mêle-sur-Sarthe geht’s folglich schlecht, man demonstriert, leider ungehört, trotz Straßensperrungen und ähnlicher Aktionen. Ein Handlungsstrang, der jetzt temporär ruht, denn just ist der schöne Vincent zurückgekehrt und auf Brautschau unterwegs. Aber Moment, hinten anstellen bitte, zunächst übernimmt erneut die Erzählerin und berichtet vom zugezogenen Vater. Und gab’s da nicht plötzlich diesen berühmten Fotografen? Richtig, der Kerl will ein spektakuläres Bildprojekt inszenieren, mitten auf dem Feld! Mit sämtlichen Bürgern! Die dafür nackt sein müssen! Bedeutet: mediale Aufmerksamkeit zur Bekanntmachung der Krise!

Bisweilen fällt es eben etwas schwerer, den Faden zu behalten, EIN DORF ZIEHT BLANK allerdings spinnt seinen von Anfang an offensichtlich in viele Richtungen. Man könnte narrative Komplexität bescheinigen, oder vielleicht hat einfach der Überblick gefehlt? Sei’s drum, aufs Kerngeschäft konzentriert und – natürlich – die Nacktheit betrachtet. Der zentrale Konflikt ist klar, genügt indes wohl nicht, weitere treten hinzu: Die üppige Fleischersfrau hätte so mancher höchst gern hüllenlos vor Augen, was im Gatten Eifersuchtsattacken der schließlich brutal ausufernden Art provoziert. Völlig zu schweigen von einer seit ewigen Zeiten gepflegten Fehde, welche angesichts der Ereignisse lebhaft ausbricht. Selbst unter Berücksichtigung der grundlegend positiven Absicht: Man kann es echt übertreiben. Beziehungsweise hätten anders gesetzte Prioritäten wahre Wunder bewirkt, zumal es wirklich Gelungenes gibt. Jener Moment der Zärtlichkeit zwischen dem Metzgerspaar: stark berührend. Die düstere Wüsten-Zukunft der Normandie: absolut originell.

Im hiesigen Format steht immerhin ein netter Film. Wobei „nett“ ausdrücklich mal nicht „die kleine Schwester von …“ meint, sondern „weder fürchterlich nervig noch meisterhaft memorabel“ – nett im Wortsinn.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Ersten Kommentar schreiben zur Rezension oder zum Film




* Pflichtfelder

Die Angabe eines Echtnamen ist nicht erforderlich: Spitznamen bzw. Nicknames sind erlaubt!

Die Email-Adresse wird nicht veröffentlicht!

HTML nicht erlaubt.