Originaltitel: UN HEUREUX ÉVÉNEMENT

F 2011, 107 min
FSK 12
Verleih: Camino

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Louise Bourgoin, Pio Marmaï, Josiane Balasko, Thierry Fremont

Regie: Rémi Bezançon

Kinostart: 04.04.13

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Ein freudiges Ereignis

Eltern werden ist nicht schwer ...

... Eltern sein dagegen sehr. Das ist zwar ein Spruch aus der Mottenkiste, der aber – wie das bei solchen Sprüchen oft der Fall ist – nicht einer gewissen Wahrheit entbehrt. Dieser französische Film ist nun die Kinobebilderung dieses Allerweltklischees: Barbara und Nicolas, sie Philosophiestudentin, er Mitarbeiter in einer Videothek, verlieben sich heftig ineinander. Beide sind jung und gutaussehend und anscheinend ohne Geldsorgen. Im Überschwang der Gefühle beschließen sie, Nachwuchs in die Welt zu setzen. Doch schon Barbaras Schwangerschaft erweist sich als keine vom Dauerglück gesegnete Zeit, und als das Baby dann da ist, droht die Liebe zwischen Windelwechsel und Alltagsfrust abhanden zu kommen.

EIN FREUDIGES EREIGNIS von Rémi Bezançon will einen ehrlichen und gleichzeitig humorvollen Blick auf die schönen und die schwierigen Seiten von Elternschaft in der modernen Welt werfen. Auf oberflächliche Art wird dieser Anspruch durchaus eingelöst. Der Film ist aus Barbaras Perspektive erzählt, ihr selbstironischer Kommentar unterlegt viele Szenen. Die Tonart ist poppig-fluffig, das Schauspielensemble – hervorhebenswert Josiane Balasko als Barbaras kratzbürstige Mutter – mit Spielfreude bei der Sache. Viele Eltern dürften sich in den geschilderten Situationen wiederfinden.

Trotzdem ist dieser Film irgendwie ärgerlich. Und zwar, weil er mit diesem pseudoemanzipatorischen Anspruch daherkommt, bloß um dann doch wieder abgedroschene Klischees hervorzuholen. Natürlich hecheln die Frauen im Geburtsvorbereitungskurs wie kurzatmige Hunde beim Koitus, natürlich kippt der werdende Vater bei der Geburt aus den Latschen, natürlich hat das Paar nach der Geburt keinen Sex mehr, natürlich bleibt Barbara dann zu Hause, während er das Geld verdient. Zudem werden die politisch-gesellschaftlichen Rahmenbedingungen von Familie im Film überhaupt nicht thematisiert.

Es wird suggeriert, daß Familie ausschließlich eine Privatangelegenheit sei. Natürlich kann man das so sehen, EIN FREUDIGES EREIGNIS ist in erster Linie als unterhaltsamer Film mit Wohlfühlfaktor kalkuliert und nicht als familienpolitisches Pamphlet gedacht. Aber über die banale Erkenntnis hinaus, daß Kinder eben auch das Potential haben, eine Familie zu sprengen, statt eine zu begründen, vermittelt der Film keine nennenswerten Einsichten. Schade.

[ Dörthe Gromes ]

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