Originaltitel: THE PUBLIC

USA 2018, 119 min
FSK 6
Verleih: Koch Films

Genre: Tragikomödie, Poesie

Darsteller: Emilio Estevez, Jena Malone, Alec Baldwin, Taylor Schilling, Christian Slater

Regie: Emilio Estevez

Kinostart: 25.07.19

2 Bewertungen

Ein ganz gewöhnlicher Held

Gegen die Kälte auf den Straßen und im Herzen

Den etwas Reiferen kommt der Name Emilio Estevez bekannt vor; erinnern wir uns kurz: Nach einer nie richtig durchstartenden Parallelkarriere (Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur) verschwand der Mann, hinterließ als Vermächtnis DEIN WEG. Letzterer war allerdings kein leichter, gerade das Publikum litt. Jetzt folgt die Wiederkehr eines scheinbar Lernfähigen – Freudenschauer auf irgendeinem Rücken produziert sein aktuelles Werk wohl nicht, geriet aber vergleichsweise ordentlich.

Gänsehaut und mehr spüren indes Cincinnatis Bewohner, arktische Luft hält sogar die aufgeheizte Innenstadt im real mörderischen Würgegriff, soeben erfror ein Obdachloser. Seine Kumpel stürzen zunächst in Trauer und dann Angst, droht ihnen ebenfalls der baldige Kältetod? Bevor die staatlichen Mühlen – wenn überhaupt – genug Fahrt aufgenommen haben, um zu helfen, gäbe es sicher weitere Opfer, also muß Eigeninitiative her. Diese bedeutet, vom dortigen, bereits freundschaftlich verbundenen Personal unterstützt die öffentliche Bibliothek zu besetzen!

Weshalb so eine grundsätzlich recht dünne Story nun zwei Stunden Zeit einnehmen muß, erklärt Estevez’ Hang zum Detail: Tatsächlich gibt es immer manches zu entdecken, man wähnt sich inmitten eines gigantischen Wimmelbildes, hier der neu installierte Eisbär, da die vollgestopfte Single-Bude. Und echt liebenswert wird’s angesichts des spürbaren Bemühens, aus Kleinigkeiten dreidimensionale Charaktere zu formen – was teilweise zwar mißlingt. Trotzdem gehen sie häufig wenigstens über anonym rumhuschende Statisterie hinaus, die alte Dame, deren vorurteilender Argwohn Juden gilt, der an Laseraugen glaubende Hüne oder ein sich am Büchereicomputer auf Datingseiten vergnügender Herr, allesamt ohne festen Wohnsitz, doch mit klarer Silhouette und primär einiger Würde.

Dazu kombiniert Estevez an der Hand führend offenkundige Sozialkritik, subtil oder zum Selbstdenken einladend geht’s wahrhaft nirgends zu – schon schade, zumal solches Zaunpfahlwinken mögliche Berührung vermindert. Lassen wir dennoch den überdeutlichen guten Willen zählen, nicken lediglich allerlei Gefühlsaufwallungen dienende Nebenstränge ab. Auch, weil als finale Widerstandswaffe eine Gruppe nackter Kerle nicht der schlechteste Anblick ist, obgleich auf Kinoleinwandgröße gezoomten Männerhintern durchaus gewisses Verstörungspotential innewohnt …

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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