Originaltitel: AN IDEAL HUSBAND

GB 1999, 94 min
Verleih: Kinowelt

Genre: Literaturverfilmung, Komödie, Liebe

Darsteller: Rupert Everett, Cate Blanchett, Julianne Moore, Minnie Driver

Regie: Oliver Parker

Kinostart: 23.12.99

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Ein perfekter Ehemann

Oscar Wilde-Verfilmung mit hohem Unterhaltungswert

Nach James Ivorys großen Erfolgen und der Schwemme von Jane Austen-Verfilmungen vor einiger Zeit schien das Interesse an Englands Viktorianischer Ära langsam erloschen. Um so mehr wird es alle Genießer opulenter Bilder freuen, daß man den wohl schillerndsten Literaten und Dandy par exelence einmal mehr für die Leinwand "wiederentdeckt" hat. Oliver Parker bleibt dicht an der Vorlage und gibt dem Stoff damit die Chance, seinen Witz jenseits von bemühter Anpassung an den gegenwärtigen Zeitgeist zu entfalten. Entwarnung also für alle, denen der Schreck ob der trashigen 1970er Verfilmung von "Das Bildnis des Dorian Gray" noch in den Gliedern sitzt.

Die Freunde Sir Robert Chiltern und Lord Arthur Goring sind denkbar verschieden: Goring hält weder von Arbeit noch Ehe besonders viel, ist auf jeder Party gerngesehener Gast und pflegt sich und seine dekadenten Macken mit größter Hingabe. Chiltern ist unerträglich glücklich verheiratet, unanständig fleißig und macht als brillanter Politiker von sich reden. Doch bald holt den Mustergatten seine nicht ganz so perfekte Vergangenheit ein. Die ebenso schöne wie durchtriebene Mrs. Cheveley erpreßt ihn mit einem Brief, dessen Inhalt seine Karriere abrupt beenden würde. Als weitaus schlimmer erweisen sich jedoch die Auswirkungen der Enthüllungen auf seine Ehe mit der tugendhaften Gertrude. Die sieht ihre moralischen Werte in den Grundfesten erschüttert und wirft ihn aus dem Haus. Es beginnt der Kampf zwischen der Liebe zu ihrem Mann und der Entrüstung über dessen menschliche Schwächen. Beide Ehepartner bitten den Freund Lord Goring um Hilfe. Und der zeigt großen Einsatz für die gute Sache. Eingesponnen in Intrigen und Mißverständnisse kämpft er mit Witz und Charme gegen die Bigotterie der sogenannten feinen Gesellschaft und wird sogar - oh Happy End - zum Ehemann.

Indem Parker vorwiegend auf Dialoge setzt, um die Charaktere einzuführen und zu entwickeln, vertraut er den Film vor allem dem Können der Darsteller an. Bemerkenswert ist, wieviele Facetten den Figuren abgerungen werden. Den wohl interessantesten Part hat hier Rupert Everett als Lord Goring. Die Verwandlung vom Dandy à la Wilde zum Eheretter meistert er mit Ironie und melancholischem Sarkasmus.

[ Sylvia Görke ]

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