D 2008, 88 min
FSK 0
Verleih: defa-spektrum

Genre: Drama

Darsteller: Ludwig Trepte, Karoline Teska, Lena Stolze, Julia Richter

Regie: Christoph Röhl

Kinostart: 26.11.09

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Ein Teil von mir

... Vater sein dagegen sehr

Wenn Kinder Kinder bekommen, kann man sehr gut problematische Schicksale erzählen. Am besten dreht man dann in grauen Vorstadtsiedlungen. Gut geht auch etwas über Sex, und daß man den heutzutage immer früher hat.

Christoph Röhl hingegen ist ein Romantiker der Mittelschicht. Er erschafft das Märchen der jungen starken Frau Vicky, die mit 17 ein Kind bekommt und beharrlich – und für ihre Lage erstaunlich gut gelaunt – versucht, den Vater ihrer Tochter Klara doch noch zu gewinnen. Für sich und für eine kleine Familie.

Klara ist das Ergebnis einer Partylaune, und Jonas, der unfreiwillige Vater, ein zart besaiteter hübscher Junge, den alle Mädels mögen, und der tolle Noten schreibt. Natürlich gibt es auch Ansätze von Problemen. Beide junge Menschen leben mit alleinerziehenden Müttern, die im Falle von Vicky Männer haßt und eher ihrem Spieltrieb nachgibt, und in der Situation von Jonas nie wirklich Zeit hat, da sie als Nachtschwester arbeitet. Die psychologische Basis, warum sich wer wie verhalten könnte, ist also gelegt: Vicky will nicht wie ihre Mutter enden, und Jonas frißt Probleme lieber in sich rein, anstatt sich ihnen zu stellen. Aber das baut Röhl nicht aus, das steht mit in den Räumen der Handlung, die darauf schließen lassen, daß ihre Bewohner der Mitte angehören, wie der, der sich ihr zugehörig wähnt, als solche erkennen würde: Hohe Altbauwände, man lernt im Gymnasium, trägt die richtigen Jeans, trifft die richtigen Freunde, geht zum Gelderwerb einem Nebenjob nach.

Ob dieser Lage sieht man sich fast versucht, Röhls Film als Feelgood-Movie einer ungewollten Schwangerschaft zu sehen. Vicky hadert nie und nirgends mit ihrem Schicksal, sondern erzieht gleich noch ihre Mutter mit, und anstatt Jonas aufgrund seiner Ignoranz zu hassen, bringt sie ihn ganz langsam sich selbst und seiner Tochter näher. Diese fast heroische Verklärung der jungen Mutter stößt ein wenig auf, wenn man weiß, wie es ist, auch mal überfordert zu sein mit einem Kind auf dem Arm. In einigen Szenen möchte man dann dem soften Schönling gerne mal einen Tritt in den hübschen Hintern geben.

Aber warum, fragt man sich auf der anderen Seite, darf eine schwierige Situation nicht auch mal im Wohlgefallen enden? Warum sollen die jungen Eltern nicht einfach mit Kind im Tragetuch dem Sonnenuntergang entgegen gehen? Gemeinsam und glücklich? Nicht das Röhls Film so kitschig endet. Aber es wäre auch nicht schlimm, wenn er es würde.

[ Susanne Schulz ]

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