Originaltitel: EL VALLEY CENTRO

USA 1999, 90 min
Verleih: Kinemathek

Genre: Dokumentation, Experimentalfilm

Regie: James Benning

Kinostart: 21.09.00

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El Valley Centro

Kalifornische Kino-Meditation

Schwarzer Staub wirbelt auf, tiefblau glitzert ein See. Wind bewegt Zweige, und aus einem Gefängnis hinter hohem Stacheldraht dringen ferne Stimmen. Flammen züngeln in den Himmel - auf einer Wasseroberfläche wird das Geschehen exakt spiegelverkehrt reproduziert. Später trainiert ein einsamer Farmer die Rodeo-Fesselung einer Ziege, mit unendlichem Langmut, stur bis zur Absurdität...

Das Great Central Valley ist das Herz Kaliforniens. Seine Großfarmen produzieren 25 Prozent der Agrargüter der USA. Die meisten Bewohner des Tals sind arme Landarbeiter. Der Avantgarde-Dokumentarist Benning befand sich gewissermaßen auf der Suche nach dem perfekten Bild in den Weiten dieser Landschaft, heraus kam eine verstörend schöne Fotografie, eine kalifornische Kino-Meditation. Der Filmemacher arbeitet mit ironischem Suspense und minimalistischer Action. Mit der Kamera reiste er monatelang herum, für ein Kino, das keine Atemlosigkeit braucht, keine mühsame Vermittlung zwischen Schönheit und Denken. Benning ist knapp 60 Jahre alt. Er romantisiert freilich seine Heimat, zeigt zugleich soziopolitische Realitäten, die Arbeitsbedingungen der Baumwollplücker, die überall präsenten Inschriften monströser US-Industrialisierung. Ökonomisch diktierte Einöde, ein verkauftes und verpachtetes Amerika, dessen Räume, wie der Nachspann detailliert auflistet, keineswegs mehr frei sind - sie gehören allesamt finanzkräftigen Corporations, Ölkonzernen, Versicherungsunternehmen etc.

James Benning hat sein furioses Panorama aus genau 35 je zweieinhalb-minütigen Episoden zusammengepuzzelt, starren und beweglichen Teilchen, die Verkehrsmittel, Arbeitende, Industrie, Gebäude, Naturschönheiten und Maschinen reflektieren. Mittels dieser scheinbar strengen dramaturgischen Idee wird das Ganze nebenbei auch zum Spiel mit dem Raum-Zeit-Eindruck des Zuschauers, denn keine Szene scheint letztlich gleichlang der anderen.

Ein skurriles wie vielschichtiges Werk, das auf magische Weise die Lust am genauen, doch ironisch- unangestrengten Schauen beflügelt.

[ Anne Riordan ]

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