Originaltitel: ELDORADO

Belgien/F 2008, 81 min
FSK 12
Verleih: Kool

Genre: Drama, Komödie, Schräg

Darsteller: Bouli Lanners, Fabrice Adde, Françoise Chichery

Regie: Bouli Lanners

Kinostart: 14.05.09

4 Bewertungen

Eldorado (2008)

Ein lakonisch-schräges Roadmovie

Schauplatz des neuen Films von Bouli Lanners (ULTRANOVA) ist erneut die Wallonie, und wieder ist die Landschaft in überwiegend ereignislosen und menschenleeren Cinemascope-Bildern als ein Nirgendwo gezeichnet. Der schräge Auftakt zum Plot verrät diesmal allerdings entschieden humorigere Züge: Yvan, ein etwas abgehalfterter, nicht mehr ganz junger Eigenbrötler, ertappt bei seiner Heimkehr einen Einbrecher. Unter ein Bett geflüchtet, will dieser partout nicht hervorkommen, und es vergeht eine halb durchwachte Nacht, in der beide einen absurden Dialog führen. Als der Eindringling am Morgen entwischen will, entpuppt er sich als zartes, verängstigtes Bürschchen, das zwar eine Abreibung verdient hätte, aber so aussieht, als könne es diese schwerlich wegstecken. Elie, so stellt sich der ungebetene Gast vor, ist pleite, außerdem auf Entzug und unterwegs zu seinen Eltern an die französische Grenze. Weil niemand ihn mitnehmen will, faßt Yvan den Entschluß, ihn dorthin zu kutschieren.

Lakonisch ist auch diesmal der Stil des Films, lakonisch sind auch die beiden Anti-Helden. Erneut ist es der unverhoffte Perspektivwechsel der Kamera von Jean-Paul de Zaeytijd, der methodisch die Szenen bricht, im Gegensatz zu ULTRANOVA aber stehen das Licht und die Farben der Bilder diesmal im Kontrast zur eigentlichen Tristesse der meisten Schauplätze. Neu ist auch die Hoffnung, die mitschwingt, wenn Lanners die beiden Einzelgänger, begleitet von einem kraftvollen Soundtrack, im Oldtimer gemeinsam auf Reisen schickt. Die Begegnung mit wirklich bizarren Gestalten, mit noch schrägeren Vögeln – so einem Nudisten, der sich als Alain Delon vorstellt und einem Wahrsager, der Unfallautos sammelt – schweißt das ungleiche Paar nach und nach zusammen. Allmählich und behutsam entdeckt Lanners dem Zuschauer Teile der Geschichte seiner Figuren, frühere Beziehungen und die Ursachen ihrer Einsamkeit. So skurril er die Szenen dabei auch baut und sich dabei eines absurden, zuweilen an Slapstick gemahnenden und zugleich schwarzen Humors bedient, so melancholisch gerät aber auch hier seine fragmentarisch bleibende Parabel auf ein Leben, in dem soziale Bindungen nur in der Erinnerung existieren.

Der Einsatz von Super-8-Material als Kontrast zur Tiefenschärfe der Scope-Bilder ist kein neuer Kunstgriff, um dies zu unterstreichen, aber der Regisseur macht von diesem mit einer Beiläufigkeit Gebrauch, die den ganzen Erzählstil charakterisiert. Wer sich auf diesen einläßt, wird mit einem tragikomischen Roadmovie belohnt, das zutiefst berührend und seltsam schön anzuschauen ist.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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