Originaltitel: ENRON: THE SMARTEST GUYS IN THE ROOM

USA 2005, 109 min
Verleih: Kinowelt

Genre: Dokumentation

Stab:
Regie: Alex Gibney
Drehbuch: Alex Gibney, Bethany McLean

Kinostart: 01.02.07

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Enron: The Smartest Guys In The Room

Von Wirtschaftsbetrug und anderen Lappalien

Enron war der Traum eines jeden Anlegers. Der Energiekonzern brachte seinen Aktionären an der Börse astronomische Erträge. Geschäftsführer Ken Lay hatte schon früh den Energiemarkt als Geldquelle entdeckt, und machte sich daran, immer neue Märkte zu erobern. "Ask why" wurde zum Firmenslogan und Motto für stetig neue Wagnisse. Wenn Kritiker ihre Stimmen erhoben - immerhin blickte Ende des letzten Jahrtausends niemand mehr so richtig durch, wie Enron sein Geld verdiente und gesetzte Prognosen erreichen wollte - dann hatte man schon das passende Abwehrprogramm parat. Die Kritiker verstummten, die Mitstreiter verdienten weiter. Bis im Frühjahr 2001 das Kartenhaus Enron in sich zusammenfiel und somit einer der größten Konzerne der Welt dem Bankrott entgegen steuerte.

Was zur trockenen Fallstudie hätte geraten können, wird bei Regisseur Alex Gibney zum spannenden, handwerklich makellosen Wirtschaftskrimi. Er hat das umfassende Material zum Skandal auf ein notwendiges Minimum eingedampft und interessiert sich für das Innenleben des Desasters. Er will wissen, wie es möglich war, daß die Firmenstrategie eines Multi-Milliarden-Dollar-Unternehmens auf fiktiven Zahlen und Geschäften beruhen konnte. Mit Interviews, Archivaufnahmen und Gerichtsdokumenten skizziert Gibney, wie namhafte Banken und Finanzprüfer den Schwindel der Enron-Magier billigten und nicht schlecht daran verdienten. Dabei hält er sich nicht mit Oberflächlichkeiten über "skrupellose Kapitalisten" auf, sondern reichert die hohe Informationsdichte immer wieder mit differenzierten Porträts der Strategen und führenden Manager des Unternehmens an.

Als Enron schließlich insolvent war, standen über 20.000 Mitarbeiter ohne Arbeit und Zukunft da. Jene, die den Karren bewußt in den Dreck gefahren hatten, zahlten sich mehrstellige Millionenbeträge in einem sogenannten Bonusprogramm aus. Alex Gibney genügt auch diese bittere Dimension des Bankrotts noch nicht. Er holt weiter aus und demonstriert, wie das Energieunternehmen die Stromversorgung Kaliforniens kontrollierte und dem Sunshine-State schließlich einen Schauspieler als Gouverneur bescherte ...

ENRON ist die aufrüttelnde Chronologie eines unglaublichen Wirtschaftsschwindels, ein wichtiges Dokument und eine Lektion für die Zukunft.

[ Roman Klink ]

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