Originaltitel: ENTER THE VOID

F/D/I 2009, 161 min
FSK 18
Verleih: Wild Bunch

Genre: Experimentalfilm, Drama

Darsteller: Nathaniel Brown, Paz de la Huerta, Cyril Roy, Masato Tanno

Stab:
Regie: Gaspar Noé
Drehbuch: Gaspar Noé

Kinostart: 27.01.11

7 Bewertungen

Enter The Void

Willkommen im Egotrip

Gaspar Noé, Schöpfer solch strapazierender Kinoerfahrungen wie IRREVERSIBEL, liebt die Provokation. Zudem versucht er stets, filmerzählerisch Grenzen auszuloten. Letzteres macht seine Werke über den schlichten Provokationstrieb hinaus spannend, auch wenn einem nicht selten die Absicht des Autors unnachgiebig unter die Nase beziehungsweise direkt ins Hirn gerieben wird. ENTER THE VOID ist ein weiterer Egotrip des Ausnahmeregisseurs geworden, dessen Licht und Schatten sich aufgrund der seltenen, wagemutigen Form des Ganzen ungeahnt einfach einteilen lassen: Die erste Hälfte ist ein beinahe perfekt geglücktes Experiment, die zweite Hälfte dagegen pure Onanie.

Erzählt wird aus dem Leben (und Tode) des nach Tokio emigrierten amerikanischen DJs und Drogendealers Oscar, der sich zu Beginn des Films nach dem Einwerfen der Droge DMT für einen Deal in die Bar „The Void“ begibt. Das „Meeting“ entpuppt sich als Falle, und Oscar wird auf der Toilette des Clubs von Tokioer Cops erschossen. Oscars Tod ist allerdings erst der Anfang. Ob Drogentrip oder Seelenauferstehung, fortan folgen wir seinem schwerelosen Ich bei der Erkundung des eigenen Lebens, wobei Grenzen von Raum und Zeit aufgelöst sind, und die Kamera zum Seelenauge wird. Der eben noch in konsequente Ich-Perspektive gezwängte Blick hat plötzlich alle Freiheiten des körperlosen Wesens. Ein großartiger Kontrast, denn plötzlich wird einem wieder die Macht des Kinos vor Augen geführt, die Mechanismen einer von Natur aus voyeuristischen Kunstform. Allein dafür verdient Noé größten Respekt. Aber wollen wir die erwähnten Schattenseiten nicht vergessen.

Während im ersten Teil der Weg von Kindheit bis zum (vermeintlichen) Tod Oscars als effektvolles Puzzle erzählt wird, widmet sich der zweite, viel zu lang geratene Teil dem Umgang der Hinterbliebenen mit Oscars Ableben. Alles endet in einem endlos scheinenden orgiastischen Finale, bei dem das Wort Innenansichten eine wenig prickelnde neue Bedeutung erhält.

Bis dahin kühnes, brillant inszeniertes Kinoexperiment, artet das Ganze schließlich in eine zotige Spielerei aus, in welcher der Reinkarnationsgedanke vollends ad absurdum geführt wird. Eine zwiespältige Angelegenheit, die aber allein um der Diskussion danach willen einen Kinobesuch wert ist.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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