Originaltitel: Escape to Life

GB/D 2000, 84 min
Verleih: Piffl

Genre: Dokumentation, Biographie, Schwul-Lesbisch

Regie: Andrea Weiss, Wieland Speck

Kinostart: 10.05.01

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Escape To Life

Filmische Verbeugung vor Zwillingen im Geiste

Zwei Leben in einer Biographie - Mammut-Projekt oder äußerste Effizienz? Andrea Weiss und Co-Regisseur Wieland Speck zeigen in ihrem Doppelporträt, wie eng die Biographien von Erika und Klaus Mann miteinander verwoben sind, wie ihre Lebenswege in Abhängigkeit voneinander, manchmal parallel und stellenweise fast identisch verlaufen.

Erika und Klaus, die beiden ältesten Kinder von Thomas und Katia Mann, kommen im Abstand von fast einem Jahr zur Welt, bezeichnen sich aber oft als Zwillinge. Was sie so fest zusammenschweißt, ist jedoch nicht nur die zärtliche Zuneigung, die sie füreinander empfinden. Beide müssen sich ein Leben lang mit dem berühmten Vater auseinandersetzen und sich vor allem künstlerisch gegen ihn behaupten. Beide leben neben ihren durch Vernunft geschlossenen Ehen - Klaus heiratete die Wedekind-Tochter Pamela, Erika den Schauspieler und Regisseur Gustav Gründgens und später W.H. Auden - ihre Homosexualität aus. Zentral ist jedoch die gemeinsame Erfahrung der Verfolgung durch die Nazis und des Neuanfangs in der Fremde, die sie nach ihrer Flucht aus Deutschland unter dem Titel "Escape to Life" publizieren. Basierend auf dieser literarischen Bestandsaufnahme des Lebens im Exil, ergänzt durch Archivaufnahmen und Interviews, formen Weiss und Speck eine biographische Collage, in der sich Zeitgeschichte und kulturelles Leben der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts widerspiegeln.

Besonders aufschlußreich sind dabei die Interviews mit der jüngeren Schwester Elisabeth Mann-Borghese oder Erika Manns Schauspielerkollegen Igor Pahlen. Interessant auch die Tonaufnahme eines Gesprächs zwischen Erika und Klaus, in dem unter der journalistisch neutralen Oberfläche immer wieder Ironie und Vertrautheit aufblitzen. Warum man allerdings diese wunderbare und klug strukturierte Sammlung dokumentarischen Materials mit gespielten Szenen nach Motiven der Romane Klaus Manns spicken mußte, bleibt unerklärlich. Die zum Einsatz kommenden Schauspieler erweisen sich nur teilweise als talentiert und lassen den Zuschauer geradezu peinlich berührt zurück.

[ Sylvia Görke ]

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