Originaltitel: ETERNITY
USA 2025, 114 min
FSK 12
Verleih: DCM
Genre: Tragikomödie, Liebe, Fantasy
Darsteller: Elizabeth Olsen, Miles Teller, Callum Turner, Da’Vine Joy Randolph, Olga Merediz
Regie: David Freyne
Kinostart: 04.12.25
65 Jahre Ehe bedeuten 65 Jahre Höhen und Tiefen, Alltag und Ausbrüche, Zusammenhalten und Alleingänge. Vor allem, so oder so, 65 Jahre geteiltes Leben. Das von Joan neigt sich nun seinem Ende zu, verdammter Krebs. Gatte Larry scheidet trotzdem zuerst dahin, erstickt an einer Brezel. Shit Happens.
Er kommt ins Jenseits, zunächst ein gigantisches Sammelbecken frisch Verstorbener, von der traurigen Fallschirmspringerin bis hin zum bedauernswerten OP-Patienten. Alle sehen aus wie in der schönsten Existenzphase, was dem Film Gelegenheit bietet, Larry attraktiv zu verjüngen, später ebenso Joan, welche bald folgt. Und sich überlegen muß, mit wem sie die Ewigkeit verbringen möchte – eben Larry? Oder Luke, ihrem ersten Mann, viel zu früh als Kriegsheld gefallen? Ach, übrigens: Es fragt sich außerdem, wo konkret. Und einmal entschieden, gibt’s kein Zurück …
Fernab des zentralen Dreiecks wird da geradezu formidabel fabuliert, von unzähligen offerierten Welten erzählt, seien es Domizile für Satanisten, Raucher oder Kindheitssehnende, Fans von Studio 54, Bromance oder absoluter Einsamkeit. Überall lauern Promoter, selbst beim Entspannungsdrink wird Akquise betrieben, derweil persönliche JKen (= Jenseitskoordinatoren) Hilfestellung leisten. Falls sie am korrekten Gate landen. Getaucht in eine aus jeglicher Zeit gefallene Optik, auf von niedlich zu nachtschwarz hin- und herwanderndem Humor gebaut, manchmal blickgeschärft sinnierend („Das Schlimmste am Tod ist die Schuld, die man gegenüber den Zurückgebliebenen empfindet …“) – Regisseur und Co-Autor David Freyne weiß ganz genau, was er tut, sofern es den Fantasy-Part betrifft. Wenig Wunder, mag man meinen, zieren doch Titel wie THE CURED: INFIZIERT. GEHEILT. VERSTOSSEN. seine bislang kurze Karriere. In Sachen Ménage à trois bewegt sich Freyne aber auf dünnem und scheinbar recht unbekanntem Eis, der am Skript beteiligte Pat Cunnane tut’s ihm nach.
Schon die Prämisse knarzt in ihrer Annahme, Joan erlebe mit einem der beiden Kandidaten das unendliche Glück, während der andere, unpassendere problemlos abgeschossen gehört. Das strauchelt, weil Liebe nicht in Richtig/falsch-Kategorien denkt, angesichts einer jeden solchen Wahl gleichzeitig gewinnt und verliert, dadurch hohen Tribut fordert; wer je zwischen zwei potentiellen Partnern stand, kennt es. Erschwerend bleiben die Dialoge wortwörtlich hingeschriebene, papieren raschelnde Thesen; wenn die ungewohnt überzogen mimende Elizabeth Olsen – mal wieder – tränenfeuchten Auges wispert, sie habe nie aufgehört zu trauern, klingt das schlicht unbewiesen behauptet. Aus kaum überzeugender innerer Verbindung folgt nahezu komplett fehlende Gefühlsansprache des Publikums, das auch sonst facettenarm-flache Charaktertrio verwehrt generell interessierte Zuwendung. Immerhin greift erneut das Drumherum relativierend ein, unterstützt Nebendarstellerin Karen, eine komplex-sympathische Figur und echte Szenendiebin. Zur Strafe springt sie rüde abgebügelt über die Handlungsklinge.
Gegen Ende gelingt dem schreibenden Duo zwar (zufällig?) ein tatsächlich berührender, dazu emotional authentischer nomineller Ausklang – allerdings geht’s dann indes noch weiter, rein in eine reichlich enge Spannungskurve plus enttäuschendes Jetzt-wirklich-Finale standardisierter Schlußpunkte und verschenkter Möglichkeiten. Ehrlich schade drum …
[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...