Originaltitel: EVERYBODY WANTS SOME!!

USA 2016, 111 min
FSK 12
Verleih: Constantin

Genre: Komödie

Darsteller: Blake Jenner, Zoey Deutch, Ryan Guzman

Regie: Richard Linklater

Kinostart: 02.06.16

Noch keine Bewertung

Everybody Wants Some!!

… und bekommt es manchmal auch!

Ihre soziokulturelle Inkompetenz läßt sich wohl am besten damit beschreiben, wie diese Horde Jungs innerhalb von nur wenigen Stunden Musik goutiert: Jake, Jay & Co. begeben sich zunächst auf den angesagtesten Dancefloor der Kleinstadt, um sich knapp darauf in einem Country & Western-Club nach „Cotton Eye Joe“ zu schütteln und während eines Punk-Konzerts unter Strom zu setzen. Stabilität in den vier Tagen vor Beginn des neuen Studienjahres kommt allein von Bier und Gras und Gequatsche über Sex, Sex und Sex. Irgendwie sind sie DAZED AND CONFUSED. Sie also auch!

US-Regisseur Richard Linklater hatte mit gleichnamigem Film vor 23 Jahren den Ritualen der 70er Jahre gehuldigt, dem oralen Exzeß und der Verweigerung, dem Leben so schrecklich zeitig einen Sinn zu geben. Damals waren es Highschool-Typen, für EVERYBODY WANTS SOME!! schreibt das Jahr 1980 ähnliche Geschichten, obwohl die Figuren ernsthaft glauben, die nächsthöhere Stufe ihrer Entwicklung erreicht zu haben. Jake ist neu an der Uni, andere sind schon länger da. Das Epizentrum ihrer Existenz ist ein speziell angemietetes WG-Haus, weil: Sie sind das Baseball-Team!

Richard Linklater als aufrechter Independentfilmer kennt sich aus mit der Banalität und Spannung des Alltäglichen. Die BEFORE-Trilogie mit Ethan Hawke und Julie Delpy mag als Beweismittel eines Moments taugen, sein BOYHOOD für die Ewigkeit. Jetzt scheint es, als kopiere er sich mit aller Lust selbst. Nicht ohne Grund fühle sich, so Linklater, sein neuer Film an wie einer, den „ich schon vor langer Zeit gemacht habe“. Autobiographisch sei er, an jedem verwendeten Song hänge ein Stück Bedeutsamkeit. Daß diese Zeitenströmungs-Komödie vor allem von Musik, Szenenbild, Ausstattung und Flair des Jahrzehnts mit der 80 würde zehren wollen, überrascht nicht. Blondie, Hot Chocolate, Van Halen, Cheap Trick, das unvermeidliche „Rapper’s Delight“ der Sugar Hill Gang als Mitsingversion im Straßenkreuzer – pochender Puls einer Epoche eben. Und Puls dieses knapp zweistündigen Leinwandtreibens, in dem die Jungs noch jede Trainer-Anweisung außer Kraft setzen. Bis der Professor am ersten Tag des neuen Studienjahres „Grenzen sind dort, wo man sie findet“ vor hoffnungslos müden Studenten an die Tafel schreibt.

Jake ist der Sympathieträger, die WG-Kollegen stehen für den charakterlichen Rest der frühmännlichen Spezies. Jake als Frischling ist zurückhaltender als die Arrivierten des Teams, einer, der es langsam angehen läßt. Seine LP-Sammlung hat er dabei, was bereits Punkte bringt, als er das Jungs-Haus betritt, wo gerade die Decke im Erdgeschoß einzustürzen droht. Oben wird ein Wasserbett getestet. Überhaupt sind Tests beliebt unter diesen Kerlen, deren mit Billigparfüm kaschierten Achselschweiß unter synthetischen Hemden man förmlich riechen kann. Im Fokus sind für sie die Mädchen am Campus. Für Jake ist es Theaterstudentin Beverly, mit der später, als EVERYBODY WANTS SOME!! zur Ruhe kommt, durchaus etwas laufen könnte, das bis zum nächsten Monat reicht. Oder übernächsten.

Richard Linklater arbeitet ein weiteres Mal mit komplett frischen Gesichtern, von denen zwei, drei abzuspeichern wären wie dereinst bei DAZED AND CONFUSED die gewissen Matthew McConaughey und Ben Affleck. Daß man allerdings als europäischer Zuschauer den Amerikaner in sich wecken sollte, damit der Seh-spaß 1:1 überlebt, erscheint zwangsläufig nötig.

[ Andreas Körner ]

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