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Gayby Baby

Die Normalität der Regenbogenfamilien

Der 10jährige Gus hat ein Problem: Er begeistert sich für pathetisch inszenierte Wrestling-Kämpfe. Damit stößt er bei seinen zwei Müttern auf wenig Gegenliebe, die mit diesem gewaltverherrlichenden Machosport nicht viel anfangen können. Und richtig Ärger gibt es, wenn er seine Wrestlingfähigkeiten an seiner kleinen Schwester erprobt. Der mütterlichen Kritik zum Trotz träumt Gus davon, einmal bei einer großen Wrestling-Show live dabei zu sein.

Alle Familien stehen vor der Herausforderung, die unterschiedlichen Wünsche, Bedürfnisse und Vorstellungen ihrer Mitglieder auszutarieren. Dabei werden nur allzu oft die gegenseitigen Toleranz- und Belastungsgrenzen strapaziert. Die eingangs geschilderte Szene dürfte den meisten Familien vertraut sein, egal, in welcher Konstellation sie leben. Der eindrückliche und unterhaltsame Dokumentarfilm GAYBY BABY der jungen Filmemacherin Maya Newell zeigt eben das: die Normalität der Regenbogenfamilien.

Der Film erzählt konsequent aus der Perspektive von vier australischen Kindern, was es für sie bedeutet, mit zwei Müttern oder zwei Vätern aufzuwachsen. Das Wort „Gayby“ oder „Gaybie“ bezeichnet im englischen Sprachraum Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern. Die Kinder sind alle zwischen zehn und zwölf Jahre alt. In diesem Alter nehmen sie ihre Umgebung sehr bewußt wahr, grenzen sich aber noch nicht von den Eltern ab, wie es dann oft in der Pubertät geschieht. Natürlich sind die Kinder mit den Vorurteilen ihrer Mitmenschen konfrontiert. Das macht es für die Heranwachsenden nicht unbedingt einfacher. Als Graham zum Beispiel mit seinen Adoptivvätern auf die Fidschi-Inseln zieht, ist er in diesem konservativen Umfeld gezwungen, die wahre Natur der Beziehung seiner Väter zu verschleiern. Doch er wächst an diesem Konflikt. Überhaupt ist die Sexualität ihrer Eltern nicht das dominierende Problem für die Kinder, sondern sie kämpfen wie alle jungen Menschen mit vielen Schwierigkeiten.

Maya Newell ist selbst mit zwei Müttern großgeworden. Dadurch ist ihr dieser Kosmos sehr vertraut, und es gelingt ihr, eine große Intimität zu ihren Protagonisten herzustellen. Trotz dieser Nähe ist die Filmemacherin keine Missionarin. GAYBY BABY idealisiert die Regenbogenfamilien nicht. Homosexuelle sind nicht per se die besseren Eltern, aber eben auch nicht die schlechteren. Denn was macht eine Familie aus? Liebe und Respekt füreinander, alles andere ist zweitrangig.

Originaltitel: GAYBY BABY

Australien 2015, 85 min
FSK 0
Verleih: Rise And Shine Cinema

Genre: Dokumentation

Regie: Maya Newell

Kinostart: 23.06.16

[ Dörthe Gromes ]

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