D 2015, 111 min
FSK 18
Verleih: Drop-Out Cinema

Genre: Horror, Psycho

Darsteller: Annika Strauss, Milton Welsh, Daniel Faust

Regie: Jörg Buttgereit, Michal Kosakowski, Andreas Marschall

Kinostart: 21.05.15

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German Angst

Deutschland, Deine Abgründe ...

... scheinen gar nicht so deutsch, wie es der Titel vermuten läßt, denn grundsätzlich könnten die gebündelten drei Geschichten weltweit spielen. Zumal hauptsächlich Englisch gesprochen wird. Wir ignorieren das jetzt mal und starten mit dem Segment „Final Girl“: Hier lebt ein junges Mädel einsam in Verwahrlosung, Zuneigung und Halt gibt ihr ein Meerschweinchen. Doch manchmal betritt sie mit Gartenschere oder Elektromesser das Schlafzimmer ... Jörg Buttgereit, jener ehemals provokative Wilde, hat ein finsteres, bedrückendes Drama geschaffen, erzählt in extremen Nahaufnahmen von Mißbrauch und Rache. Das Ergebnis auf seine zwei brachialen Blutszenen zu reduzieren, wäre falsch, allein die Abhandlung darüber, daß „Meerschweinchen nicht kuscheln wollen“, legt eine zerfetzte Seele frei. Dazu paßt dann sogar halbwegs der emotionslos leiernde Off-Kommentar.

Episode 2 heißt „Make A Wish“ und zeigt, wie ein taubstummes Paar polnischer Abstammung Neonazis in die Hände fällt, welche haßerfüllt grausame Folter verüben. Doch ein Körpertausch ermöglichendes Amulett könnte die Situation komplett drehen ... Bloß schwer zu verkraften ist, wie unerbittlich die Kamera Gewalt, Barbarei und Inhumanität dokumentiert; zusammen mit dem unverändert aktuellen Thema der Fremdenfeindlichkeit sowie einem bitteren Wandel vom Opfer zum machtberauschten Täter, entsteht die eigentlich stärkste Geschichte, niederschmetternder Schlußtwist inkludiert. Leider kosten mäßige Darsteller und in Rückblenden unerklärlich überzogen dargestellte Billigsplattereffekte einige Wirkung.

Schlußendlich geht’s doch etwas entspannter zu, wenn Fotograf Eden auf Kira trifft. Wegen jener schönen, geheimnisumwitterten Dame schließt er sich einem Erotikclub an – und damit einen schrecklichen Pakt ... Dieser Teil trägt den Titel „Alraune“, botanisch bewanderte Leser erkennen eine höchst giftige, im Mittelalter für angebliche Zauberzwecke gesammelte Pflanze. So mag man Edens Schicksal als Suchtdarstellung interpretieren, stilsicher inszeniert und gut gespielt, ein angesichts des beschränkten Budgets verblüffend edel aussehendes Alptraummärchen ohne Scheu vor Body Horror, außerdem gelungener, wenn auch inhaltlich konventioneller Abschluß dieses intensiven und insgesamt erstaunlich intelligenten Ausflugs in Abgründe der (erneut gefragt: wirklich ausschließlich?) deutschen Seele.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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