D 2019, 91 min
FSK 0
Verleih: Fox

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Henriette Confurius, Max Krause, Inga Busch, Franziska Machens, Nicolas Wackerbarth

Regie: Sophie Kluge

Kinostart: 29.08.19

3 Bewertungen

Golden Twenties

„One Is The Loneliest Number …

… That You’ll Ever Do“ singsinnierte Aimee Mann 1999 auf dem MAGNOLIA-Soundtrack. Nach drei tollen Alben (gerade „The Forgotten Arm“ birgt Insel-Qualität) folgte dann indes das langsame Auströpfeln in die musikalische Bedeutungslosigkeit. Passiert eben sogar schönen Menschen, die laufen nicht klischeegetreu 24/7 vom Rundum-Erfolg besonnt durchs Grün, lächeln huldvoll, periodisch gnädig winkend. Nein, die stolpern auch.

Auftritt Ava. Eine Twentysomething, die locker graues Quergestreiftes tragen kann und hinreißend aussieht. Trotzdem eine Number One. Wo sie wann falsch abbog, auf dem Lebensweg ins Schlagloch trat und strauchelte, erfahren wir kaum. Fakt: Ava zieht zurück zur Mutter, der fürs frustfreie Staubsaugen ungünstig zentral plazierte Hometrainer provoziert Tränen, Mamas Freund läßt Avas Singledasein einsam erscheinen, und die Hospitanz am Theater erweist sich als neuzeitliche Versklavung. Inhaltlich ergo eine rechte filmische Wuchtbrumme, dazu aus Deutschland, man konnte Übles ahnen. Nimmt hingegen die positive Überraschung dankend mit: Regisseurin Sophie Kluge ist keine Freundin moralschweren Erzählens, vermeidet es, dem unterhaltungswilligen Publikum emotionale Grabesstimmung aufzudrücken. Kluge sucht – und findet! – ihr Heil in quasi realitätsnaher Übertreibung: Der mindestens dreifach fotografierte Salat gehört schon zum Standard, hohes Potential zeigt allerdings eine Bewerber nur zwecks Absage einladende Personalerin – halt persönlicher so, gell?!

Wirklich hemmungslos dreht Kluge immer auf (oder frei?), wenn sie die eigene Branche ins grelle Rampenlicht rückt, oberflächlichen Goldlack-Glamour abätzt und die kläglichen Überreste lustvoll vorführt: Da beschauen schmalgeschlitzte Augen Eitelkeitsausbrüche innerhalb der dritten bis siebten Star-Garnitur, wanken zerbrechliche Egos, gellen pikierte Zickigkeiten. Eine im tief empfundenen Gefühl mißverstandene Mimin, psychisch sowieso lädiert, weil beim Proben ausschließlich Kekse kleinen Hunger stillen, tritt erst aus und hernach ab, der laktosegeplagte dauerunsichere Regisseur fände es demütigend, sollte Ava abseits sitzen. Lieber auf einem Eimer direkt dabei! Kluge fädelt ins Absurde Gesteigertes zur heiter-pointierten Szenenkette, thematisiert postkoital ausgerufene Urinbeutel oder zwielichtige Jobgespräche, geführt im Ecklokal, während am Nachbartisch eine Panikattacke bekämpft wird.

Und doch entgleitet Kluge, unterstützt vom vorzüglichen Ensemble, nie das Angeschossene, Ängstliche, Verlorene dieser jungen Frau. Henriette Confurius spielt sie geerdet, ruhig, ehrlich und glaubhaft, trifft den richtigen schüchternen Ton, um Ava ein einziges Mal aufbrausen zu lassen, eher versuchsweise, natürlich vergebens: „Ich würd’s allgemein begrüßen, wenn ich meine Interessen selber definieren und äußern dürfte!“ Es bleibt wieder Zusammenrollen im Bett, Fehler begehen, zweifeln, staunen. Zum Beispiel über die einst flippige beste Freundin, jetzt normatives Luxusbuden-Hausmütterchen, welches wachen Blickes ins private Unglück rennt, nicht sich selbst was vormacht, sondern allen anderen, kurz vorm bitteren Ende die Kulmination. Generell begreift Kluge Beziehungen als häufiges Verkleistern individueller Leere, Einzelwesen begegnen einander, ohne sich tatsächlich innig zu verbinden. Bloß moderner Zynismus? Nun, erinnern wir uns, wie obig angespielter Song weiterging: „Two Can Be As Bad As One, It’s The Loneliest Number Since The Number One.“

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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