Originaltitel: GRIGRIS

Tschad/F 2013, 101 min
Verleih: Temperclay

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Souleymane Démé, Anais Monory, Cyril Guei

Regie: Mahamat-Saleh Haroun

Kinostart: 09.04.15

1 Bewertung

Grigris’ Glück

Zarte Liebesgeschichte aus dem Tschad

Grigris – ein Spitzname, dessen Klang an ein zärtliches Grinsen erinnert. Und das hat er auch meist auf den Lippen, der junge Mann, um den sich Mahamat-Saleh Harouns Geschichte spinnt, die in N’Djamena spielt, der Hauptstadt der Republik Tschad. Dabei meint das Schicksal es nicht besonders gut mit ihm, denn Grigris’ linkes Bein ist verkrümmt und dünn wie ein Stock. Grigris benutzt es deshalb wahlweise als Schnellfeuergewehr oder legt es sich wie ein Schlangenmensch um den Hals, wenn er tanzt.

Und er tanzt wie ein junger Gott! Wenn er sich in der Nacht zu den Klängen der Musik bewegt, zieht er alle im Club in seinen Bann. Das Publikum feuert ihn an, sie stecken ihm Geld zu und feiern ihn und seine Performance. Am Tag humpelt Grigris mit seiner Mutter durch die staubigen Straßen und hilft ihr beim Austragen der Wäsche, die sie jeden Tag am Fluß durchwringt. Oder er näht mit seinem Stiefvater in dessen winzigem Lädchen, das auch gleichzeitig ein Fotoatelier ist. Als sich eines Tages die hübsche Mimi vor Palmentapete ablichten läßt, verliebt sich Grigris auf der Stelle beim Blick durch den Sucher. Und hat wieder dieses insistierende Lächeln auf seinen Lippen.

Haroun erzählt stringent im klassischen, unaufgeregten Stil des „westlichen“ Arthousekinos. Ruhige Einstellungen, sparsam mit hintergründigen Erklärungen, fast dokumentarisch anmutende Dialoge. Also keine speziell „afrikanischen“ Dramaturgieeinfälle. Aber es ist genau diese Einfachheit der Geschichte, die ebenfalls ohne viel Action und extreme Gewalt auskommt, gepaart mit Souléman Démés Kunst in der Verkörperung Grigris’, die Leinwand auszufüllen, ohne dabei mehr zu tun, als zu sein, das Schicksal dieses besonderen Lebenstänzers zum Leuchten zu bringen.

Selten hat man eine so zärtlich schüchterne Darstellung einer Liebesgeschichte gesehen. Und nachdem unser Protagonist mit viel Herz die klassischen Hindernisse und damit auch seinen Antagonisten überwunden hat, in diesem Fall Moussa, dem Boß des Viertels, entkommen konnte, kann sein glückliches Leben beginnen. Einfach, bescheiden, als Vater eines Kindes, das nicht seins ist. Dem er aber ein guter Vater sein wird, denn er ist Grigris. Manchmal überlebt eben das Gute.

[ Susanne Schulz ]

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