Originaltitel: HOPEU

Südkorea 2026, 158 min
FSK 16
Verleih: MUBI

Genre: Horror

Darsteller: Hwang Jung-min, Jung Ho-yeon, Michael Fassbender, Alicia Vikander

Regie: Na Hong-jin

Kinostart: 08.10.26

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Hope

Ein Film lehrt das Staunen

Nanu, es wirkt menschlich. Zumindest besitzt es menschenähnliche Züge. Es ist vielleicht gar nicht so verschieden. In einer der überraschendsten Szenen von HOPE blicken sich ein Monster und sein Jäger ins Gesicht. Da stellen sich ganz kurz eine Nähe und ein letzter Rest Mitleid, vielleicht sogar ein Wiedererkennen ein, wo sonst nur Tod, Verfolgung und Abstoßung herrschen. Es ist der Kulminationspunkt einer der aufregendsten Actionsequenzen, die man mindestens in diesem Kinojahr sehen konnte. Und damit ist gerade mal der erste von drei größeren Akten des Films vorbei. Der Südkoreaner Na Hong-jin hat zehn Jahre auf sich warten lassen. Sein letzter Langfilm THE WAILING feierte 2016 Premiere und wandelte irgendwo zwischen Mystery-Krimi und Horrorfilm. Nun kehrt er mit einer höchst absonderlichen Genre-Mixtur und, so sagt man, dem teuersten Film seines Heimatlandes zurück.

Wie schon sein letztes Werk beginnt auch HOPE mit dem Einfall von etwas Fremdem in die Welt. In der Nähe der entmilitarisierten Zone treibt ein Ungeheuer sein Unwesen. Oder doch nur ein wildes Tier? Eine zerfetzte Kuh kündigt jedenfalls die Apokalypse als Spur und Überbleibsel an. Als der Polizist Bum-seok in das Örtchen Hope Harbor gelangt, bietet sich ihm ein furchterregendes Bild. Häuser und Straßenzüge sind zerstört. Trümmer und Müll sind überall aufgetürmt, und das sind protzend ausstaffierte, verschwenderische, gespenstische Bilder, die ihr Mysterium noch lange wahren.

Denn so leicht macht es der Regisseur seinem Publikum nicht! Er spannt einen ganz schön auf die Folter, bis man endlich in voller Pracht zu Gesicht bekommt, was die Zivilisation so barbarisch heimsucht. Zunächst sind nur Geräusche zu vernehmen.

Plötzlich fliegen Fahrzeuge durch die Luft. Ein Dorf wird zum Schlachtfeld und Labyrinth einer ausgehebelten Ordnung. Also eröffnet man die Jagd auf die schier unbesiegbare Bedrohung. Dieser erste Akt entpuppt sich als virtuos inszenierte, paranoide Choreographie, in der man mit dem Protagonisten durch Ruinen und Straßen schleicht, sich versteckt und angstlüstern bangt, endlich einen Blick auf die wahre Natur des Schreckens zu werfen, ohne von ihr getötet zu werden.

Der Film ist voll von intensiver Bewegungsenergie. Er ist mit selten ruhender Kamera eingefangen, die mit Fahrzeugen die Straßen entlangrast oder später vorbei an Reitern und Monstern im Wald. HOPE schießt, schleudert und treibt sein Publikum durch seine abgefahrenen Bildwelten, die erstmals ins Stocken geraten, wenn man tatsächlich erfährt, welches Ungetüm in die Gegend eingefallen ist. Und dann wird es komplizierter, denn HOPE verfolgt zwei entgegenlaufende Stränge. Der Film ermittelt und ermittelt. Eine blutige, anstrengende Sektionsnummer ist ein erster Versuch der Entzauberung. Gleichzeitig wuchert sein Mysterium immer weiter. Und so irre und atemberaubend die Action geglückt ist, so irre verstreut der Film letztlich seine Puzzleteile und politischen Implikationen, bis nur noch Fragezeichen bleiben und das nächste Rätsel schon vom Himmel stürzt.

Was will diese Fusion aus Action, Horror, schwarzer Komödie, Western und Sci-Fi also erzählen? Wofür soll dieses ominöse Fremde stehen, das sich auch in den skurrilen, irrealen Effekten einer simplen Erklärung entzieht? HOPE bleibt dadurch ein imposantes Stück Spektakel-Kino, ein Pflichttermin für Genre-Interessierte.

[ Janick Nolting ]

Hope ab heute im Kino in Leipzig

  • heute

    Cineplex: 22:15

    Alle Angaben ohne Gewähr!