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I’m A Cyborg, But That’s OK

Roboter mit Eßstörungen trifft Identitätsdieb - eine Liebesgeschichte

Wenn Park Chan-wook, Regisseur solch beeindruckender Rachethriller wie OLD BOY und LADY VENGEANCE, angibt, eine romantische Komödie gemacht zu haben, sollte man sich darauf einstellen, nicht den typischen Genrefraß vorgesetzt zu bekommen, sondern darf ein exotisches Überraschungsmenü erwarten. I’M A CYBORG, BUT THAT’S OK startet dann auch gleich turbulent, erzählt Vorgeschichte und Einführung der Hauptfigur Young-goon parallel und etabliert damit den überdrehten Erzählstil, den der Film bis zum Schluß zu halten vermag.

Young-goon ist schon in ihrer Jugend davon überzeugt, kein menschliches Wesen, sondern ein Cyborg zu sein. Als junge Frau fügt sie sich aufgrund dieser Selbstwahrnehmung eine lebensgefährliche Verletzung zu, weshalb ihre Mutter sie in die Psychiatrie einweisen läßt. Bereits Young-goons Großmutter war in eine solche Anstalt gesperrt worden, weil sie meinte, eigentlich eine Maus zu sein. Ihre Oma aus den Klauen der "Weißkittel" zu befreien, wird dann auch die Mission, die sich das Robotermädchen für seinen Aufenthalt auferlegt. Zunächst kommuniziert sie nur mit Lampen, nähert sich aber langsam dem notorischen Dieb Il-soon an, der seinen Mitpatienten die Eigenschaften stiehlt. Von ihm hofft sie, daß er ihr beim Erreichen ihres Ziels helfen kann. Zwischen den beiden entwickelt sich eine der seltsamsten Romanzen, die das Kino jemals gesehen hat.

Eine der Insassen von Park Chan-wooks knallbunter Nervenheilanstalt, Seol-mi, leidet an der Krankheit "Mythomanie", bei der die Patientin sich stetig neue, unheimlich skurrile Geschichten zu ihren Mitmenschen einfallen lassen muß. Und irgendwie wirkt der gesamte Film des koreanischen Regiekünstlers wie eine kreative Ausgeburt aus Seol-mis verquerem Hirn, ist eine Anreihung lauter schriller Ideen, die aber nicht so richtig ein großartiges Ganzes ergeben wollen. Viele Ereignisse der Handlung wirken zu willkürlich gesetzt, und auch die Beziehungen der Figuren berühren aufgrund des Patchwork-Charakters der Geschichte kaum.

Dennoch, wenn auch das Herz bei dieser Lovestory gleich der Heldin des Films etwas unterernährt bleibt, ein Fest für Auge und Ohr ist diese verrückte Roboter-RomCom allemal.

Originaltitel: SAIBOGUJIMAN KWENCHANA

Südkorea 2006, 105 min
Verleih: REM

Genre: Drama, Liebe

Darsteller: Lim Soo-jung, Jung Ji-hoon, Lee Young-nyeo, Sohn Young-soon, Choi Hee-jin, Yoo Ho-Jung, Lee Kyung-eun

Regie: Park Chan-wook

Kinostart: 28.02.08

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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