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In The Name Of The Son

Eine Katholikin sieht rot

Die christliche Hoffnung hat eine Stimme. Und die gehört Elisabeth. Witwe, Mutter, gläubige Katholikin. Und Moderatorin einer Lebensberatungsshow im kirchlichen Radiosender. Christian Hope Radio heißt der und hat mit Elisabeth eine Verkünderin gefunden, die diesen Namen Programm werden läßt.

In Vincent Lannoos IN THE NAME OF THE SON sieht man zu Beginn lange, in geradezu dokumentarischer Konzentration, Elisabeth beim Trost- und Hoffnungspenden im Sendestudio. Trost und Hoffnung indes wird Elisabeth bald selbst brauchen. Aber da das im konkreten Fall gerade ein paar Bekenntnisse zu einer schmerzhaften Wahrheit mit einschließt, wird Elisabeth genau all das verweigert. Mit fatalen Folgen. IN THE NAME OF THE SON ist ein Film, der jene widerlichen Flecken auf den Sutanen katholischer Würdenträger thematisiert, die der Klerus mit einer recht beachtlichen Mischung aus Überheblichkeit und Feigheit, mithin einem hemmungslosen Gebrauch des Lügens und Vertuschens, zu verbergen suchte.

Wie sich all das dann noch argumentativ selbst legitimiert, kann man wunderbar erleben, wenn Elisabeth vor ihrem Bischof sitzt. Abgrundtief verzweifelt dann, weil einer ihrer zwei Söhne, der 13jährige Julien, sich das Leben nahm. Nachdem er Trost bei einem Priester suchte ob des anhaltenden Schmerzes über den Tod des Vaters. Und nach dem vergeblichen Hilferuf, den Julien daraufhin an seine Mutter sendete, die nicht wahrhaben wollte und konnte, was nicht wahr sein darf. Und die dann vor diesem Bischof sitzt, der Elisabeth als Denunziantin denunziert und ihr mitteilt, daß ein Homosexueller und Selbstmörder wie Julien ohnehin keinen Platz im Himmel fände, und daß er es außerdem satt habe, wenn brave Kirchendiener ständig als Pädophile verunglimpft würden. Eine ganze Mappe mit Namen habe er da hier liege. Und liegt selber gleich mit eingeschlagenem Schädel auf dem Teppich. Während besagte Mappe in Elisabeths Besitz wechselt.

Denn der sanfte Hoffnungsengel ist zur Furie der Vergeltung geworden, der seinen Weg geht von Priester zu Priester (plus Nonne). Die Wumme tragend wie ein schweres Kreuz, denn wenn dieser Film auch mit typisch belgischer Neigung zu Drastik und galligem Humor erzählt, verliert er das Glaubens- und Seelendrama nicht aus den Augen. Da gelingt IN THE NAME OF THE SON ein Balanceakt zwischen Polemik und Reflexion, Thriller und Erkundung.

Originaltitel: AU NOM DU FILS

Belgien/F 2012, 83 min
FSK 16
Verleih: Drop-Out Cinema

Genre: Thriller, Drama

Darsteller: Astrid Whettnall, Philippe Nahon, Achille Ridolfi

Regie: Vincent Lannoo

Kinostart: 06.11.14

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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