Originaltitel: LUCÍA Y EL SEXO

Spanien 2001, 128 min
Verleih: Movienet

Genre: Drama, Liebe, Erotik

Darsteller: Paz Vega, Tristán Ulloa, Naiwa Nimri, Daniel Freire, Elena Anaya

Stab:
Regie: Julio Medem
Drehbuch: Julio Medem

Kinostart: 03.10.02

Noch keine Bewertung

Lucía und der Sex

Artifizielles Labyrinth mit sparsamer Beleuchtung

Eine Insel, die sich als schwimmendes Floß herausstellt, durchsetzt mit Löchern, in denen sich Wasser und Vergangenheit stauen - eine phantastische Traumlandschaft, wie sie wohl nur in Julio Medems Kopf entstehen konnte. Der Regisseur gehört mit seinen komplexen und fragilen Erzählgebilden zu den vertrackteren Magiern des Kinos. Wie aber könnte er es sich und seinem Publikum leichter machen, wenn er so zweifelt: "... der soeben fertig gestellte Film war zu traurig und erdrückend, um überhaupt jemandem zu gefallen." Gemeint ist DIE LIEBENDEN DES POLARKREISES von 1998, und das Lob der Kritik dürfte Medem getröstet haben. Dennoch, ungebrochen sonnig ist auch das neue Werk des Basken nicht - selbst wenn die Bilder nicht gar so eisig klirren und ein gelegentlich leise gesummtes "Un rayo de sol, uoh oh oh" sanfte Wärme verbreitet.

Die Kellnerin Lucía erfährt vom Tod ihres Geliebten Lorenzo. Verstört verläßt sie Madrid. Ihr Ziel ist die Insel, auf der vor Jahren in einer Liebesnacht zwischen Lorenzo und einer Fremden ein Mädchen gezeugt wurde, das den seltsamen Zauber des Ereignisses in ihrem Namen weiter trug: Luna.

Mit Lucías Fluchtbewegung nach vorn setzt Medem eine komplizierte Erinnerungs- und Traummaschinerie in Bewegung, die wie ein perpetuum mobile immer neue Fragmente einer Geschichte generiert, in der Geschehenes und Erdachtes ineinander fließen - manchmal mit Reibungen, die fast zum erzählerischen Kurzschluß führen. Lucías erste Begegnung mit dem Schriftsteller Lorenzo, die leidenschaftliche Erkundung ihrer Körper, die allmähliche Entfremdung danach - all dies ist verwoben mit einem dichten Netz seltsamer Ereignisketten, in deren Zentrum Lorenzos Roman wie ein menschliches Organ pulsiert, der seine Figuren aus der Realität stiehlt oder sie ganz unvermittelt wieder dorthin zurückstößt.

Allgegenwärtige und durchaus explizit gefilmte Sexszenen verknüpft Medem mit dem grausamen Tod der kleinen Luna und stellt sich damit in eine wohl sehr spanische (Kino-) Tradition, in der Sinnlichkeit und Schuld in auszehrender Symbiose aneinandergekettet sind.

[ Sylvia Görke ]

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