Originaltitel: MADE IN CHINA

F 2018, 92 min
FSK 0
Verleih: Neue Visionen

Genre: Tragikomödie

Darsteller: Frédéric Chau, Medi Sadoun, Julie de Bona

Regie: Julien Abraham

Kinostart: 18.07.19

Made In China

... und deswegen mal ohne Sch’tis, Monsieur Claude & Co.

Wir möchten einleitend einen kleinen Test unter die geschätzte Leserschaft werfen und Sie darum bitten, den Filmnationen Deutschland, Frankreich, Ungarn, Rußland sowie USA folgende über einen ziemlich großen Kamm geschorenen Beschreibungen zuzuordnen: generationsübergreifend begeisternde Märchen, oberflächliche Popcorn-Blockbuster, natürlich Komödien, noch nix aus diesem Land gesehen, Problemkino in TV-Optik. Erledigt? Danke. Ungefähr 99% der Teilnehmer dürften übereinstimmende Ergebnisse erzielen, darin unseren Nachbarn sofort das Lustspiel aufdrücken, daran leisten nicht zuletzt die zwei MONSIEUR CLAUDE-Renner Beitrag. Da scheint es geradezu ironisch, daß ausgerechnet Frédéric Chau, Darsteller eines der Schwiegersöhne, sein Drehbuchdebüt nicht nur gegen den fluffig heiteren Strich bürstet, sondern es außerdem gemeinsam mit Medi Sadoun, ebenfalls Schwiegersohn-Mime, zu bewegendem Leben erweckt.

Chau verkörpert François, sich eher mühsam durchschlagender Fotograf, dessen Herkunft umweltseitig stets thematisiert wird, weswegen sogar Komplimente Giftpfeile verschießen: „Er ist süß – für einen Chinesen.“ Was man spontan als schon oft auf Leinwandgröße gebrachte Rassismus-Studie in Form sarkastischer Spiegelung identifizieren könnte, doch wurzelt der gallige Humor tiefer, pulsiert dunkler, weil deutliches persönliches Erleben jeden Spruch intensiviert, die Frage hämmert, wo legitime künstlerische Übertreibung vom realen Geschehen den Staffelstab übernimmt. Und ihn brennenden Herzens dem Familiendrama weiterreicht – François sagte sich vor Jahren vom Vater los, ein gleichermaßen dämlicher und verletzender Streit bewirkte Entfremdung. Nun kommt’s zur Rückkehr des verlorenen Sohnes, ein ungeborenes Enkelkind soll neue Bindung schaffen. Aber heilen die einst schmerzhaft aufgebrochenen Wunden einfach?

Jetzt wechselt die Erzählebene, richtet Schlaglichter auf universellere Stoffe: menschliche Dummheit, ignoranter Stolz, Sprachlosigkeit. Hilfloses Schweigen, das Informationen zurückhält und Gräben zieht. Es benötigt eigentlich kaum gesonderte Erwähnung: Selbstverständlich sorgen letztlich ältere Damen – weise Geschöpfe, ohne deren Existenz wohl niemals irgendwelcher emotionaler Zwist eine Lösung finden würde – donnerhallend aufbrausend für Beseitigung etlicher akkurat zurechtgezimmerter Barrieren, errichtet auf bornierter Sturheit. Bis dato braucht’s allerdings viel Zeit und Gefühl, beides integrale Bestandteile heftig anrührender Szenen; ihre zunehmende Kraft speist sich erheblich aus dem sicheren Gespür dafür, wann sie enden müssen, um nervigen Kitsch weiträumig zu umschiffen.

So bleibt dann Kollege Sadoun genug im wahrsten Wortsinn Spielraum, den verschmitzt-relativierenden Sidekick zu geben – und offenbar bisher unterfordertem Talent ungekannte Facetten abzuknöpfen, neben wenigen grob geschnitzten Hose-runter-und-Vergleichbares-Gags manches taktvolle Understatement zu beweisen. Woran auch eine fürchterlich schmalzige Gesangseinlage nicht ernsthaft rüttelt, und das will wirklich einiges heißen.

Wenn schlußendlich die coole Mutter der zukünftigen Braut, standardmäßig in etwas Gewagtes gewickelt, erfolgreich geführte Beziehungen auf einen vermeintlich ganz simplen Knackpunkt eindampft, schließen wir jenen Text ähnlich pauschalisierend, wie er startete: Der Stempel MADE IN CHINA bedeutet hier keine preiswerte Dutzendware, er bezeichnet ein Qualitätsprodukt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

Lesezeichen:

Made In China ab heute im Kino in Leipzig

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