Originaltitel: MARIA BETHÂNIA: MÚSICA É PERFUME

CH/F 2005, 82 min
Verleih: Kool

Genre: Dokumentation, Biographie, Musik

Regie: Georges Gachot

Kinostart: 03.07.08

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Maria Bethânia

Verneigung vor einer Diva

Wenn zu Beginn des Filmes Wellen an den nächtlichen Strand von Bahia schlagen und plötzlich das dunkle Timbre einer Stimme erklingt, dann scheint die Musik aus dem Meer zu steigen. Die Stimme gehört Maria Bethânia, der Grande Dame der brasilianischen Pop-Musik, einer grandiosen Sängerin, die seit den 70ern auf der Bühne steht, deren Fans Konzertsäle und Fußballstadien füllen.

Regisseur George Gachot begleitet Maria Bethânia auf einem Stück ihres Weges. Seine Haltung zu ihr, die Verbeugung vor einem großen Talent, ist deutlich spürbar. Gachot zeichnet kein Porträt aus biographischen Fakten mit Bildern der Rückschau. Stattdessen ist er anwesend. Im Tonstudio, bei der Vorbereitung von Konzerten, bei abendlichen Auftritten. Es ist ein intimer Einblick in den Schaffensprozeß von Musik, der Gachot hier gelingt, beginnend bei ersten Versionen neuer Songs bis hin zu deren Vollendung und Darbietung im Konzert. Musiker, Verwandte und Freunde - Nana Caymmi, Miucha, Chico Buarque, Caetano Veloso und Gilberto Gil - erzählen in diesem Prozeß von ihrer Arbeit und der Arbeit mit Maria Bethânia, von brasilianischer Musik und Geschichte. Und auch die Bethânia selbst spricht. Von ihrem vormittäglichen Leben mit dem Gefühl, eine Hausfrau zu sein, von der Bühne als Trapez ohne Netz, den Schlüsselbegriffen brasilianischer Balladen, wie Herz und Leidenschaft, und von ihrer Kindheit.

Zugleich verdeutlichen diese Interviewsequenzen, wie klug Gachot gewählt hat, nähert er sich der Bethânia doch vor allem über die Musik. Im Gespräch entzieht sich die Diva, verbirgt sich die Person hinter gestenreicher Dramatik, auf der Bühne aber und mit der Musik ist sie in ihrem Element. Lachend und weinend zugleich bringt sie ihre romantischen Balladen zu Gehör, mit einer Stimme, die raumgreifend ist und ihren Widerhall im Chor des Publikums findet. Wo diese Hingabe an den Weltschmerz, die Musik der Bethânia, ihre Wurzeln hat, darauf verweist Gachot mit seinem Schnitt. Über große Strecken paßt sich dieser dem Wechsel von Melodie und Rhythmus der Stücke an. Dazwischen aber finden sich immer wieder lange Plansequenzen - von einsamen Stränden, dem Blick auf die nächtliche Großstadt, auf Autobahnen und Alltagszenen. Hier entdeckt Gachot Brasilien, das Land und seine Bewohner - als Quelle für das musikalische Schaffen seiner Protagonistin, einem fraglos seltenen Talent.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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