D 2014, 82 min
Verleih: Eigenverleih

Genre: Dokumentation, Schicksal

Regie: Dorothea Carl

Kinostart: 16.04.15

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Persona non data

Kein Ort zum Leben

Das Unglück beginnt in der eigenen Familie. Es ist ihr Ehemann, der Heide Sanati an den iranischen Geheimdienst verrät, weil sich die junge Frau und Mutter heimlich politisch engagiert. Gemeinsam mit anderen hatte sie im Kopf an einem neuen, einem freien Iran gebastelt, jenseits von Diktatur und Unterdrückung. Das Ergebnis: Zwei Jahre Gefängnis mit Folter und Vergewaltigung, danach Psychiatrie, doch sie kann fliehen.

Das war vor 32 Jahren. Heute lebt Heide Sanati in Deutschland und arbeitet beim Flüchtlingszentrum in Hamburg. Sie ist eine von 14 Flüchtlingen, die im Dokumentarfilm PERSONA NON DATA ihre Geschichte erzählen. Sie sei nicht freiwillig gekommen, betont sie ausdrücklich, sie brauchte einen Ort zum Leben. So wie der kurdische Familienvater, der sich und seine Kinder vor Saddam Husseins Giftgasangriffen Ende der 80er Jahre schützen wollte und über die Türkei nach Deutschland kam. Oder die junge Mutter aus Afghanistan, die in ihrer Heimat – weil alleinerziehend – dem Tod geweiht wäre.

Alle Protagonisten im Film verbindet das Schicksal, in ihrer Heimat nicht zu Hause sein zu können. Doch die Regisseurin Dorothea Carl erzählt nicht nur von Krieg, Gewalt und langen, beschwerlichen Reisen, sondern auch von den Zuständen, unter denen die Flüchtlinge in Europa ausharren und auf ein besseres Leben warten. Denn die deutschen Behörden verweigern den Neuankömmlingen oft Arbeit und Bildung, manche hängen 20 Jahre im Duldungsstatus – eine Art Schwebezustand, in dem die Gegenwart verkümmert und das richtige Leben zum fernen Zukunftstraum mutiert. „Wir können nichts machen außer sitzen, warten und atmen“, sagt ein Mann, der seit Jahren auf die Bewilligung seines Asylantrags wartet.

Carl bebildert die anonymen Interviews nicht mit realer Handlung, sondern poetischen Bildern: Sekundenlang verharrt die Kamera auf einer regennassen Fensterscheibe, schwimmenden Schwänen, aber auch auf Zelten und Containern einer Asylbewerberunterkunft. Carl läßt das Gesagte wirken, die Bilder zu jeder einzelnen Geschichte entstehen im Kopf. Das hinterläßt Spuren und macht die Schicksale tausender Flüchtlinge, die täglich die Grenzen Europas überqueren, greifbarer, wenn auch nicht hoffnungsvoller, wie der 18jährige Mohsen am Ende beschreibt: „Das Leben dort war unsicher, hier ist es nicht anders.“

[ Claudia Euen ]

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