D 2013, 89 min
FSK 0
Verleih: mindjazz

Genre: Dokumentation

Regie: Claudia Schmid

Kinostart: 25.04.13

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Richard Deacon – In Between

Der am Holz dreht

Der bekennende Müßiggänger Tom Hodgkinson, englischer Journalist, Autor und Holzofenbrotbäcker, müßte seine Freude am Bildhauer Richard Deacon haben. Denn der betont, daß ihm die besten Ideen nicht beim zielgerichteten Arbeiten oder Nachdenken kommen würden, sondern beim Nichtstun, beim Müßiggang. Auch Deacons Definition von Kreativsein läßt aufhorchen: „Es ist die Fähigkeit, etwas, das dir durch den Kopf schießt, als interessant zu erkennen.“ Manchmal ist es wohl doch so einfach.

Richard Deacon, 64jähriger Waliser, ist auf dem Gebiet der Bildhauerei eine Ikone. Um sich selbst macht er nicht viel Wind. Spröde gibt er sich auch in Claudia Schmids Film IN BETWEEN, die wiederum richtige Entscheidungen getroffen hat, um dem Künstler möglichst nahezukommen: Auch der Film ist spröde und gibt sich mit dem zufrieden, was ihr Deacon anbietet. Er hat mit Prozessen zu tun, weniger mit Selbstinszenierungs-Gelaber.

Zwei Jahre hat sich Richard Deacon begleiten lassen. Die Anwesenheit der Kamera ist ihm nicht unbedingt angenehm, er hat sich nur irgendwann mit ihr arrangiert. Kurze Statements fördern biographische Notizen ans Licht, die keinesfalls spektakulär sind: Kindheit als tagträumender Sohn eines reisenden Vaters, der beim Militär war und „heute darüber staunen würde, daß ich den Großteil meines Geldes mit handwerklichen Arbeiten verdiene.“ Als Kind sei er total unbegabt gewesen für Fingerfertigkeit. Hierbei kommt gleich ein wesentlicher Akzent dieser Dokumentation zum Tragen. Denn sie sorgt in Montage und Gewichtung für einen überaus gerechten Moment, indem Regisseurin Schmid mit Matthew Perry einen weiteren Protagonisten offensiv einbezieht. Ganz im Sinne Deacons, dem ein singulärer Künstlermythos fremd zu sein scheint. Perry arbeitet seit 30 Jahren für und mit Deacon, bringt nicht nur seine grandiosen Ideen in Holz, sondern ist im besten Sinne integriert. Ja, Perry denkt wie Deacon.

RICHARD DEACON – IN BETWEEN schaut unaufdringlich, aber nachdrücklich hin. Natürlich auch darauf, wie sich Kanthölzer zu Spiralen drehen, eigensinnige Gebilde aus Keramikblöcken entstehen, wie das Nichts in Räumen mit Objekten aus Edelstahl ummantelt wird. Ursache und Wirkung von Materialien interessieren Richard Deacon nicht, allein ihre Manipulierung. Daß bei ihm im handwerklichen Sinne nichts funktionieren muß, schenkt ihm Freiheit. Ein stilles Porträt. Eine schöne Entdeckung.

[ Andreas Körner ]

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