Originaltitel: A WALK AMONG THE TOMBSTONES

USA 2014, 114 min
FSK 16
Verleih: Universum

Genre: Literaturverfilmung, Thriller

Darsteller: Liam Neeson, Dan Stevens, Boyd Holbrook

Regie: Scott Frank

Kinostart: 13.11.14

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Ruhet in Frieden

Atmosphäre und Charakter

Lawrence Block gehört zu jenen US-Thriller-Autoren, die Bücher am Fließband produzieren. Was jetzt nicht despektierlich gemeint ist, denn Block ist ein Könner seines Fachs. Auch wenn das letztlich vor allem heißt, daß man einfach immer wieder aufs Neue geboten bekommt, was man kennt und auch erwartet, greift man sich einen dieser Schmöker. Und doch gibt es in diesen etwas, was darüber hinausgeht, sie abhebt vom Gros einschlägiger Hard-Boiled-Fabrikate. Und so ist es etwa von einiger Schlüssigkeit, daß Block, jenseits seines bevorzugten Genres, für Wong Kar-wais MY BLUEBERRY NIGHTS maßgeblich am Drehbuch mitschrieb. Das Erschaffen stimmiger Großstadtatmosphäre samt dem genauen Zeichnen von Charaktertypen ist es, was der Autor großartig beherrscht. Und es sind diese zwei Aspekte, die jetzt auch RUHET IN FRIEDEN nicht nur tragen, sondern über das Gros einschlägiger Streifen heben.

Von der Stimmung melancholischer Blaubeernächte allerdings ist diese Geschichte dann doch verdammt weit entfernt: Im New York des Jahres 1999 schlägt sich Ex-Polizist und Ex-Trinker Matthew Scudder als Privatdetektiv ohne Lizenz eher schlecht als recht durchs Leben. Und so nimmt er, wenn auch widerwillig, den Auftrag eines wohlhabenden Drogendealers an, der die Mörder seiner Frau finden will. Die wurde entführt und nach der Übergabe des Lösegeldes dennoch getötet. Und zwar so bestialisch, daß Scudder schnell ahnt, daß es hier um mehr als um Geld geht.

Und man mag gar nicht mehr verraten, nichts sagen dazu, wie furchtbar recht Scudder hat – auch, weil Scott Frank, als Drehbuchautor und Regisseur in Personalunion verantwortlich, ausgesprochen geschickt zwischen Drastik und Andeutung changiert. Der irritierend beklemmende Vorspann allein bereitet schon das Feld für einen Film, der wie eine Faust ist, die sich schließt. Ruhig, aber immer fester zupackend. Unerbittlich zum Finale hin.

Das ist Spannungskino der ganz souveränen Art, mit einem wie gehabt charismatischen Liam Neeson, der einen schlicht perfekten Scudder abgibt. Der nun taucht ja in gut 20 Romanen Blocks auf. A WALK AMONG THE TOMBSTONES (in Deutsch als „Endstation Friedhof“ erschienen) ist einer davon. Das heißt, es gäbe noch gut Stoff für weitere Kinoadaptionen. Solche mit Charakter und Atmosphäre und vielleicht ja auch wieder mit Liam Neeson. Wünschen darf man sich das ja mal.

[ Steffen Georgi ] Steffen mag unangefochten seit frühen Kindertagen amerikanische (also echte) Western, das „reine“ Kino eines Anthony Mann, Howard Hawks und John Ford, dessen THE SEARCHERS nicht nur der schönste Western, sondern für ihn vielleicht der schönste Film überhaupt ist. Steffen meint: Die stete Euphorie, etwa bei Melville, Godard, Antonioni oder Cassavetes, Scorsese, Eastwood, Mallick oder Takeshi Kitano, Johnny To, Hou Hsia Hsien ... konnte die alten staubigen Männer nie wirklich aus dem Sattel hauen.

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