D 2020, 115 min
FSK 6
Verleih: Camino

Genre: Dokumentation

Regie: Daniel Rintz

Kinostart: 13.02.20

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Somewhere Else Together

Filmischer Spam-Verdacht

Nicht, daß einer dachte, der Auswurf unter den Filmgenres, die Reisedoku, könne so viel schlimmer nicht mehr werden. Nein! Der Kummer des Kritikers läßt sich durchaus noch steigern: Reise-Doku-Fortsetzungen sind die neueste Ernüchterung aller Filmkunstfreunde. Wer einmal auf einem Bein hüpfend den Jakobsweg gemeistert hat, mit Kamerahelm auf dem Kopf und einigen filmproduktionsaffinen Erfüllungsgehilfen in der Hinterhand, der hört doch nicht einfach damit auf!

So zeigte Daniel Rintz 2014 in SOMEWHERE ELSE TOMORROW sich selbst beim Durchqueren von 27 überwiegend asiatischen Ländern. Nun mußten er und seine Freundin Josephine („Jo“) auch noch den Rest der Welt per Motorradfahrt verwursten. Teil 2 also, SOMEWHERE ELSE TOGETHER, führt uns durch Kuba, Chile, Nigeria und viele weitere Länder. Wir begegnen peitschendem Regen, räuberischen Affen und rätselhaften Bräuchen. Finanziert wird die Tour streckenweise durch Vor-Ort-Jobben, streckenweise durch ein unerwartetes Preisgeld für den Vorgängerfilm.

Zugegeben, es gibt miesere leinwandgewordene Urlaubstagebücher. Zugegeben, die Filmemacher wußten, wie man eine Drohne fliegt, und wo es sich lohnt, eine zu starten. Zugegeben, sie haben sich Orte herausgesucht, die nicht von Touristen überrannt sind und trotzdem skurrile Geschichten parat halten.

Das ändert aber nichts daran, daß SOMEWHERE ELSE TOGETHER ein aus Zufallserlebnissen zusammengebasteltes Was-auch-immer ist. Oder anders ausgedrückt: Die inzwischen x-te Fassung des immer gleichen Films. Dazu gehört minutenlanges Sinnieren über technische Wehwehchen: Oh je, die kaputte Lichtmaschine! Dazu gehören die bemüht bis esoterisch klingenden Floskeln zur Motivation hinter dem Vorhaben: „Wir mußten das einfach machen!“ Und egal, wie weit entfernt die Länder der Reise sein mögen, die Tontechnik bleibt typisch deutsch: Man versteht oft kaum, was gesprochen wird.

Zwar erleben Daniel und Jo auch kritische Situationen und hören bewegende Geschichten ihrer Gastgeber, doch welchen Mehrwert haben drei Sätze zur Mordrate El Salvadors oder zum Bürgerkrieg im Kongo für das Kinopublikum? An dieser Stelle ein heißer Tip: Dokumentar- und Spielfilme, die sich auf einzelne solcher Themen fokussieren, professionell gefilmt und geschnitten sind, bieten da eine oft – wirklich – ernstgemeinte Auseinandersetzung.

[ Hieronymus Hölzig ]