Originaltitel: THE PEANUT BUTTER FALCON

USA 2019, 93 min
Verleih: Tobis

Genre: Tragikomödie, Poesie, Roadmovie

Darsteller: Shia LaBeaouf, Dakota Johnson, Zack Gottsagen

Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz

Kinostart: 19.12.19

The Peanut Butter Falcon

... Is Ready To Rumble!

Das kann wirklich nur Kino! Dieses einnehmende Spiel aus kurzen Blicken und knappen Gesten, dieses sanfte, krawallfreie Überrumpeln, dieses undogmatische Auffordern zu echter Empathie, neugierigem Hinschauen und offenen Herzen. Denn ins Herz muß man den Kerl sofort schließen: Zak. Aus Platzgründen ins Altenheim verfrachtet, da aber gehört der junge Mann mit Downsyndrom nun wirklich nicht hin, es reifen Fluchtgedanken. Alle Mittel sind ihm recht: kleinere Bestechungsvergehen mit Schokopudding, das Ablenken der Pflegekräfte, das Einbeziehen der Mitinsassen, die den jungen Kerl in seinem Traum unterstützen. Zak möchte Wrestler werden! Daß man jedoch nach halbnackter Fensterflucht in angeschlammtem Feinripp nicht sehr weit kommt, wird Zak schon schnell klar, der hinreißende Film läßt ihn deswegen auf Tyler stoßen, einen Krabbenfischer mit jeder Menge eigener Probleme. Eins davon ist bewaffnet und ihm auf der Spur.

Das Kino kennt ungewöhnliche Gespanne auf der Flucht, doch dieses hier ist anders. Die Problemlage der aufeinander Angewiesenen ist so verschieden. Tyler muß befürchten, von unfairen Konkurrenzen plattgemacht zu werden, Zak spürt den Atem der fürsorglichen Betreuerin Eleanor im Nacken, die am Ende vielleicht seinen Traum vereiteln könnte: endlich von seinem Idol „The Salt Water Redneck“ zum Profikampf gerüstet zu werden. Zak kennt ihn von totgespulten VHS-Kassetten, in ähnlichem Zustand ist der einstige Wrestling-Star allerdings auch selbst.

Vom Entstehen einer bedingungslosen Freundschaft wird bei diesem Trip durch die Südstaaten mit dosiertem Witz und so warmherzig wie unverkrampft erzählt, wie es mal ganz in der Tradition des schon verloren geglaubten US-Indie-Kinos stand. Zwischen den Jungs entsteht eine kratzige Zärtlichkeit, die anrührt. Beide haben familiäre Verluste zu schultern, sie begegnen sich auf Augenhöhe. Der Traum von der sportlichen Herausforderung wird eingebettet in eine bewegende Geschichte über Familie, Solidarität und unverbrüchlichen Zusammenhalt, in der Fische mit der Hand gefangen werden, eine späte Taufe ertragen, Whisky aus der Flasche getrunken und, weil es nötig ist, auch mal einem rotzfrechen Kind kräftig eine gescheuert wird.

Und wenn „Zak Attack!“ erklingt, und man die bärbeißigen Schränke gegen den Wrestler-Nachwuchs angehen sieht, dann spürt man einfach: Wenn das jetzt und hier nicht gut ausgeht, dann muß man im Leben an gar nix mehr glauben. Das kann nur Kino!

[ Michael Eckhardt ] Michael mag Filme, denen man das schlagende Herz seiner Macher auch ansieht. Daher sind unter den Filmemachern seine Favoriten Pedro Almodóvar, Xavier Dolan, François Ozon, Patrice Leconte, Luis Buñuel, John Waters, François Truffaut, Pier Paolo Pasolini, Ingmar Bergman. Er mag aber auch Woody Allen, Michael Haneke, Hans Christian Schmid, Larry Clark, Gus Van Sant, Andreas Dresen, Tim Burton und Claude Chabrol ...
Bei den Darstellern stehen ganz weit oben in Michaels Gunst: Romy Schneider, Julianne Moore, Penélope Cruz, Gerard Depardieu, Kate Winslet, Jean Gabin, Valeria Bruni-Tedeschi, Vincent Cassel, Margherita Buy, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert ...
Eine große Leidenschaft hat Michael außerdem und ganz allgemein für den französischen Film.

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