Originaltitel: WALTZ WITH BASHIR

Israel/D/F 2008, 87 min
FSK 12
Verleih: Pandora

Genre: Animation, Dokumentation, Drama

Stab:
Regie: Ari Folman
Drehbuch: Ari Folman
Stimmen: Ron Ben-Yishai, Ronny Dayag, Ari Folman, Dror Hara
Produktion: Ari Folman

Kinostart: 06.11.08

10 Bewertungen

Waltz With Bashir

Ein Tanz durch das Kriegsgrauen

Gelungenes Kino zeichnet sich durch vieles aus. Den eigenen Horizont erweiternde Geschichten, fühlbar echte Darstellungen, kraftvolle Bilder. Aber manchmal, da kommt ein Film daher, welcher es zudem schafft, etablierte Sehgewohnheiten in Frage zu stellen, weil er alles irgendwie anders macht, mit Konventionen bricht. WALTZ WITH BASHIR zählt dazu.

Grundsätzlich handelt es sich hierbei um eine Dokumentation, die ihren Anfang in einer Bar nimmt. Ein alter Freund berichtet dem Regisseur Ari Folman von seinem wiederkehrenden Alptraum – er wird von dämonischen Hunden gehetzt, exakt 26 an der Zahl. Beide kommen zu dem Schluß, dies müsse einen Zusammenhang zu ihrem Einsatz im Libanon-Krieg aufweisen. Folman kann sich jedoch an nichts erinnern und befragt nun Weggefährten, um die damaligen Geschehnisse für sich selbst zu rekonstruieren.

Das Besondere daran ist die Form: Obgleich alle Interviewten natürlich real existieren, hat Folman sie animiert auf die Leinwand gebracht. In der Folge brechen die statischen Beschränkungen des rein gesprochenen Wortes auf, weil sämtliche Erzählungen in Rückblenden zu neuem Leben erwachen, als würde alles erst jetzt passieren. Und genau darin liegt – zusätzlich zum sowieso schon stark berührenden Thema – auch der Grund, weshalb Folmans Werk solche Tiefenwirkung entfaltet. Aufgetürmte Leichen, Maschinengewehre tragende nackte Jungen oder von Kugeln durchsiebte Kinder brennen sich derart visualisiert noch mehr ein, weil diesen Aufnahmen eben jene Unschuld fehlt, welche man sonst eigentlich mit gezeichneten Bildern verbindet.

In Bruchstücken muß Folman sich seiner Vergangenheit stellen, untermalt von Liedtexten wie "Heut’ hab’ ich Sidon bombardiert" kehrt der Krieg dabei in allem Schrecken sukzessive zurück und hinterläßt beim Zuschauer tiefe Verstörung. Auch der eher versöhnliche Titel wird zu klassischen Klängen explizit thematisiert, als Walzer im Kugelhagel. Erschütternd und gleichzeitig ungewöhnlich ist Folmans Abrechnung mit dem Grauen, manchmal gar surreal, wenn er beispielsweise zu Rettungszwecken eine Nixe auftauchen läßt und hier erneut die erzählerisch unbeschränkten Möglichkeiten der Animation nutzt. Bis hin zum Ende, einem bitteren, von langer Hand vorbereiteten Höhepunkt.

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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