Originaltitel: HE NI ZAIYGI

China/ Südkorea 2002, 118 min
Verleih: Tobis

Genre: Drama, Erwachsenwerden, Musik

Darsteller: Tang Ru-yun, Liu Peiqi, Chen Hong

Stab:
Regie: Chen Kaige
Drehbuch: Chen Kaige

Kinostart: 17.07.03

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Xiaos Weg

Nicht die Noten machen die Musik, sondern ...

Ja, das Gefühl! Und das hat er. Xiao Chun ist zwar erst dreizehn und verleiht seinen Emotionen selten mit Worten Ausdruck, aber sein Geigenspiel setzt Himmel und Erde in Bewegung. Zurecht hält ihn sein Vater Liu Cheng für ein unentdecktes Genie. Alles würde der Koch geben, um seinem Sohn zum großen Solistenerfolg zu verhelfen. Mit sämtlichen Ersparnissen, die Liu Cheng in einer roten Wollmütze auf dem Kopf trägt, verlassen sie die Provinz und reisen nach Peking. Eine Zeitreise in die moderne Welt, die ihnen zunächst den Atem verschlägt. Doch mit bäuerlich-naiver Dreistigkeit erreicht der Vater, daß gleich zwei Mentoren sich des jungen Talentes annehmen. Der egozentrische und etwas verwahrloste Professor Jiang in seiner Katzenwohnung. Und der Akademie-Professor Yu in seiner internationalen Talentschmiede. Mit dem ersten verbindet den Jungen eine Seelenverwandschaft. Doch der zweite ist das Ticket auf die Bühnen der Konzerthäuser. Zunächst aber locken die Verführungen der Großstadt: in Gestalt der mondänen und überaus attraktiven Nachbarin Lili, für die Xiao Chun spielt, wenn sie traurig ist, und die ihm bald mehr bedeutet als seine Geige. Auch wenn diese sein einziges Kapital, der Ehrgeiz seines Vaters und das Erinnerungsstück an seine Mutter ist.

Von hier aus entwickelt der Film mit warmherziger Poesie, Humor und Liebe zu den Figuren einen konzertanten Reigen. In jeder Figur schlummert etwas, das geweckt zu werden verlangt. Und es ist das Spiel des Jungen, das sie miteinander verbindet. Xiao Chun spielt nicht für den Erfolg. Er spielt für seine Mutter, er spielt für Lili, und er wird für seinen Vater spielen. Und so entwickelt sich der Vater-Sohn-Konflikt zum Hauptthema der zwischenmenschlichen Symphonie. Noch braucht es einige Takte und Gefühlsschwankungen, begleitet von musikalischen Streifzügen durch die in Ostasien so sehr geschätzte Welt der europäischen Klassik, bis am Ende feststeht, was für alle am besten ist.

"Musik ohne Gefühl ist wie ein Gewehr ohne Munition", unterweist Professor Yu eine Musterschülerin. Regisseur Chen Kaige hätte vielleicht ein paar Kugeln weniger laden können. Doch genau wie Liu Cheng gibt er eben alles. Er findet einen sehr persönlichen Weg, sich mit dem Wertewandel im modernen China auseinanderzusetzen, indem er das Publikum nahe an die Protagonistenseelen heranläßt.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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