25. Französische Filmtage

20.11.–27.11.2019

Passage, Schaubühne Lindenfels

www.franzoesische-filmtage.de




Bild: EINSAM ZWEISAM

Hommage an das Vergangene und Erlesenes aus dem Jetzt

Ein Blick auf die 25. Französischen Filmtage

25 Jahre nicht nachlassender Eifer, genommene Hürden und Unmengen vergossenen Herzbluts: Man muß, darf und möchte herzlich gratulieren! Das Jubiläum, stets präsent, zieht sich wie ein roter Faden durch unter anderem ein kleines Best Of bewährter Publikumslieblinge, eine Wiederaufführung des ersten Eröffnungsfilm – Chabrols BIESTER feuerten den Startschuß ab – oder Festivitäten in beiden Spielstätten: Die Passage bietet an Abend 1 Musik, Sekt und Buffet, Malte Springer von der Schaubühne garantiert fürs Feiern am Wochenende „alles, was eine gute Party braucht.“ Wir sind gespannt.

Noch vorfreudiger fällt indes der Blick aufs diesjährige Programm aus, welches DIE SCHÖNSTE ZEIT UNSERES LEBENS kaum besser beginnen könnte: Nicolas Bedos hat mit seinem erst zweiten Film nach DIE POESIE DER LIEBE wunderbar komische Szenen, leise bittere Sequenzen, lockere Großmäuligkeit (Fanny Ardant spricht klare Worte!) und vor allem wahrhaftige Emotionen zum stupenden Reigen fern gängiger französischer Komödien gereiht. Sowieso verspricht Passage-Chefin Petra Klemann „einen guten Jahrgang“ und tatsächlich nicht zu viel, wie ausgewählte Höhepunkte belegen: Im nachdrücklichen Cannes-Erfolg DIE WÜTENDEN überschreiten Gesetzeshüter die Grenzen ihrer Kompetenz, VOM GIESSEN DES ZITRONENBAUMS beleuchtet in gewissenhafter Ruhe die Absurdität neuzeitlicher Normalität, ein Wiedersehen mit dem unvergleichlichen Fabrice Luchini gibt es in DER GEHEIME ROMAN DES MONSIEUR PICK, und EINSAM ZWEISAM, Cédric Klapischs aktueller Streich, folgt zwei Pariser Thirty-Somethings bei ihrer Liebessuche. Weiterhin werden zwei Dokus präsentiert: MORGEN GEHÖRT UNS begleitet Kinder beim Kampf gegen sie benachteiligendes oder gar gefährdendes Unrecht, und JEAN-PAUL GAULTIER: FREAK AND CHIC schaut dem exzentrischen Modeguru beim ganz alltäglichen Schöpfungswahnsinn zu. Schließlich okkupiert Regie-Querkopf Quentin Dupieux einen ereignisreichen Abend lang DIE WACHE und sollte primär Fans eher unerschrockenen Humors erheitern: Dupieuxs WRONG bebilderte einst eine Szene aus Egosicht eines Hundehaufens, und den Würstchen rauchenden Flat Eric hat er ebenfalls auf die Welt losgelassen.

Wesentlich unversponnener untersucht Hirokazu Kore-edas LA VÉRITÉ Konflikte zwischen einer Leinwandgöttin und ihrer Tochter – hier stehen (Premiere!) Catherine Deneuve und Juliette Binoche gemeinsam vor der Kamera. Letztere besetzt auch die Reihe „Frankreich – Deine Gesichter“, teilt sich diese Ehre mit Pierre Richard, jeweils zwei starke Repertoire-Vertreter widmen sich den Stars. Einer Regie-Legende huldigt außerdem die Schaubühne: Luis Buñuel war schon bei den 1. Französischen Filmtagen vertreten, damals lief BELLE DE JOUR, zum 25. kehrt er nun zurück. Drei seiner Meisterwerke sind zu erleben, ergänzend bündelt das Treppenkino bei freiem Eintritt Interviews, einzelne Szenen, Kurzfilme und anderes Material zur facettenreichen Collage.

Abrundend oferiert das Jugendfilmfestival Cinéfête der Zielgruppe gleichsam bereits stolze 20 Jahre komplexe Themen – anno 2019 geht’s da beispielsweise um Verantwortung, Verlust, Geschlechterrollen oder familiäre Trennung, was Ulrich Matthes’ im Rahmen der vergangenen Filmkunstmesse geäußerte Sicht auf Kinos als „Schulen der Empathie“ bekräftigt. Wenn die allerdings keiner besucht, ist die heutzutage eh schwer unterentwickelte Fähigkeit zur Einfühlung bald komplett Geschichte. Ein weiterer Grund, jenen vielfältigen acht Tagen ihren verdienten Platz selbst im vollen Terminkalender einzuräumen …

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...


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