Label: Sony Classical

1917

Thomas Newman

AMERICAN BEAUTY hat Thomas Newmans perkussiv-schrulligen Personalstil über die Grenzen der Kinoleinwand hinaus bekannt gemacht. Es gibt wohl kaum einen Filmkomponisten, der seither nicht von einem Regisseur oder Produzenten gebeten wurde, mit ähnlichen Farben zu malen. Ein Stigma, mit dem selbst Newman in den Folgejahren zu kämpfen hatte. Regelmäßige Ausnahme: seine Scores für Sam Mendes. Nach SKYFALL und SPECTRE folgt Newman dem Regisseur nun an die Front. 1917 heißt der Weltkriegsfilm, den der Komponist mit einem zeitgenössischen Kontrastprogramm versieht, indem er weder Ort noch Zeitpunkt der Handlung vertont. Vielmehr rückt er das Irre und Irrationale von Krieg im allgemeinen ins Zentrum, läßt Klangflächen und verfremdete Sounds aus dem Nichts aufsteigen, Tabla-Percussion oder Klavierfragmente im Streichercluster delirieren.

Wenn der Rhythmus zum Handlungschronometer wird, oder das Orchester mit langen Pinselstrichen zum Breitwandfortissimo emporsteigt, erinnert 1917 mitunter an Hans Zimmers DUNKIRK und DER SCHMALE GRAT. Dann klagt die Musik im Plural. Einzig ein gedehntes Cello-Solo singularisiert das anonyme Sterben und formuliert musikalisch, was Krieg nun einmal auch ist: die Summe zahlloser Einzelschicksale.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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