Herr der Ringe – Die Gefährten

Seit Jahren geben sich die drei Filmreihen KRIEG DER STERNE, HARRY POTTER und DER HERR DER RINGE in den Multifunktionsarenen der Welt die Klinke in die Hand. Live In Concert heißt das Veranstaltungskonzept und meint nichts anderes, als den von Orchester live gespielten Soundtrack zur Projektion des dazugehörigen Films. In der Arena Leipzig machen in den kommenden Monaten alle drei Reihen Station, angefangen mit DIE GEFÄHRTEN am 5. Dezember. Im Januar folgt HARRY POTTER UND DER FEUERKELCH, im April DIE RÜCKKEHR DER JEDI-RITTER. Wie lang sich das Konzept bei solch’ hoher Taktzahl noch als lukrativ erweisen wird, bleibt abzuwarten. Für Filmmusikfans ist und bleibt es jedenfalls die beste und oftmals einzige Möglichkeit, den kompletten Soundtrack in akustisch prominenter Form zu genießen.

Nachgerade Howard Shores vielthematische und tiefschichtige, knapp dreistündige Musik zum ersten Teil von Peter Jacksons HERR DER RINGE-Trilogie hat diese Aufmerksamkeit verdient. Denn mit DIE GEFÄHRTEN schuf der Komponist nicht nur den Soundtrack zu einem Film, sondern das musikalische Wurzelwerk einer ganzen filmischen Welt, die schließlich sechs Teile und in den Extended Editions rund 20 Stunden umspannen sollte. Ein Opus magnum, das mit einem putzigen, keltisch anmutenden Thema für die unbedarften Hobbits seinen Anfang nimmt. Welche – auch musikalische – Finsternis auf die Protagonisten noch wartet, wird mit dem Auftauchen Gandalfs und dem Erklingen des aggressivsten der drei Ring-Themen deutlich: vier schrille Töne, vom marokkanischen Blasinstrument Rhaita herausgepreßt und vom chorischen Schlachtruf der Nazgûl bedrohlich fortgeführt.

Nach Frodos schicksalhaftem Abschied vom Auenland findet Shore nur noch selten Gelegenheit für heitere Töne. Doch ein hoffnungsvoller musikalischer Antipode bereitet seinen Durchbruch vor: das Gefährten-Thema. In Fragmenten vorgestellt, findet es erstmals in Rivendell zusammen und zu glanzvoller Größe. Eine der kompositorisch aufregendsten Passagen beginnt wenig später mit dem Abstieg der Gefährten in die Tiefen Morias.

Welche vor Kraft strotzende, biestig-archaische Musik Howard Shore allein für die Brückensequenz Khazad-Dûm von Männerchor und Orchester fauchen, grollen und donnern läßt, bleibt unerreicht im Fantasy-Genre.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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