Label: Varèse Sarabande Club

Stanley und Iris

John Williams

Mit der Veröffentlichung eines Filmscores von John Williams stellt sich unwillkürlich ein Gefühl von Wehmut ein, Wehmut über das Verblühen einer Filmmusiksprache, die nur noch von einer Handvoll Komponisten im Seniorenalter am Leben erhalten wird. Selbst ein Re-Release wie STANLEY UND IRIS (1990) hinterläßt diesen Eindruck. Besonders, wenn als Bonus eine bisher unveröffentlichte Filmmusik – hier: PETER UND TILLIE (1972) – hinzusortiert wird.

John Williams’ üppig und kenntnisreich orchestrierte Partituren, die sich an den spätromantischen Hollywood-Granden Erich Wolfgang Korngold, Max Steiner oder Franz Waxman orientieren, genießen Seltenheitswert im Adrenalin pumpenden, blitzschnittigen Hollywood-Cinema von Heute. Dabei ist sein tiefenscharfer Tonsatz noch immer gefragt – etwa für Blockbuster von Steven Spielberg und J.J. Abrams. Doch auch in den besinnlicheren Arbeiten auf dieser CD läßt sich die Gewissenhaftigkeit heraushören, mit der Williams jede Komposition zur Konstruktion erhöht. Für beide Filmmusiken setzt er den von Streichern und Holzbläsern klanglich zurückgenommen besetzten Orchesterdampfer mit solistischen Pianopassagen sanft in Bewegung. In PETER UND TILLIE sorgen zusätzlich E-Baß und gestrichenes Jazz-Schlagzeug für eine zeitgemäß loungige Atmosphäre. Zwei willkomme anachronistische Hörerlebnisse.

[ Philipp J. Neumann ] Philipp fühlt sich inspiriert von CLUB DER TOTEN DICHTER, hat gelernt aus DAS SIEBENTE SIEGEL, ist gerührt von MAGNOLIA, hat sich wiedergefunden in THE SWEET HEREAFTER, wurde beinahe irr durch FARGO, ist für immer vernarrt in PONETTE und war schlicht plattgedrückt von DER HERR DER RINGE.

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