Originaltitel: 1:1 (EN TIL EN)

DK/GB 2006, 90 min
Verleih: Arsenal

Genre: Drama, Polit

Darsteller: Joy K. Petersen, Mohammed-Ali Bakier, Anette St¿velb¾k

Regie: Annette K. Olesen

Kinostart: 10.05.07

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1:1

Für Toleranz in Kopf und Herz

Annette K. Olesen trug sich vor drei Jahren in das "Dogma 95"-Album ein, mit IN DEINEN HÄNDEN, einer erschütternd ehrlichen Allegorie über die (Un)Fähigkeit, zu glauben. Auch hinter ihrem neuen Werk mit dem schlichten Titel 1:1 verbirgt sich eine kompromißlose Parabel über Grenzen der Toleranz. Auf dem Rücken einer jungen Liebe trägt die Regisseurin das Ringen um ein friedliches Zusammenleben aller Menschen aus.

Mie und Shadi lieben sich. Er ist Palästinenser, sie Dänin, beide leben in einer Kopenhagener Vorortsiedlung, ein kaltes Betonfundament für zarte Gefühle. Dann hält der Ausnahmezustand Einzug in Mies Leben. Ihr Bruder wurde ins Koma geprügelt, die Polizei vermutet einen Migranten, ein gefundenes Fressen für die Medien. Mies Mutter S¿s ist überfordert, die unterschwelligen Anschuldigungen der Großmutter Bonnie tun ihr Übriges. In den Lärm des Alltags mischen sich Zweifel, bei Mie und auch bei Shadi. Könnte sein Bruder Tareq in den Überfall verwickelt sein? Die Gerüchteküche läuft auf Hochtouren, und ein übereifriger Security-Mann streut die Saat für die nächste Katastrophe.

Von der Eingangsmontage, in welcher der Schauplatz - ein eiskalt konzipiertes Neubau-ghetto - vom Reißbrett zum Leben erwacht bis hin zum bitteren, einfrierenden Schlußbild, ist 1:1 ein Werk der genauen Beobachtung und perfekten Umsetzung. Hervorragend macht Kim Fupz Aakesons Drehbuch jede Figur verständlich, ja spürbar. Es kommt einem Lehrstück gleich, wie wenig belehrend Annette K. Olesen daraus ihren eindringlichen Appell an die gegenseitige Toleranz formuliert. Die jugendlichen Darsteller überzeugen in ihrem Kinodebüt mit fesselnder Präsenz und Authentizität.

Daß 1:1 aus dem Land des "Karikaturenstreits" kommt, darf nicht täuschen. Der Konflikt trägt sich so oder ähnlich vielerorts zu, in Plattensiedlungen, in bürgerlichen Vierteln. Der Titel verrät es, Olesen glaubt nicht an einfache Lösungen, an billige Versöhnungsgesten. Für sie bergen Konflikte, religiöse, rassistische oder sonst welche, nur wenige Chancen auf endgültige Beilegung. Diese Befürchtung hat nichts Zynisches, sondern etwas Bestürztes. Die wenigen Chancen muß man ergreifen und im Privaten den Grundstein für ein faires Miteinander legen. Das unterstreicht Annette K. Olesen unmißverständlich und gibt Hoffnung, wenn auch sehr leise.

[ Roman Klink ]

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