Originaltitel: 14 KILOMETROS

Spanien 2008, 95 min
Verleih: Kairos

Genre: Roadmovie, Drama

Darsteller: Mahamadou Alzouma, Adoum Moussa

Regie: Gerardo Olivares

Kinostart: 02.12.10

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14 km – Auf der Suche nach dem Glück

Der gefahrvolle Weg nach Europa

Warum Violeta aus ihrem Heimatdorf in Mali vor der Zwangsheirat wegrennt und keine andere Alternative sieht, als nach Europa zu gelangen, und warum der nigerianische Mechaniker Bouba sich vom naiven Traum anstecken läßt, in Europa ein Topfußballer werden zu können, ist nachvollziehbar. Das ist nicht die Frage des Filmes. Es geht um den langen steinigen Weg, den die zwei jungen Leute – wie Tausende andere – zurücklegen. Ein Weg, auf dem sie sich zwar gegenseitig finden, auf dem aber andererseits für eine Liebesgeschichte wirklich kein Raum bleibt. Denn die Strapazen und Opfer sind zu groß. Bouba verliert unterwegs in der Sahara seinen Bruder, Violeta endet zwischenzeitlich als Zwangsprostituierte. Aufgeben werden sie nicht.

Der spanische Regisseur Gerardo Olivares kommt aus der Dokumentarfilmtradition, das sieht man seinen Bildern an. Wirken zwar die Dialoge zuweilen etwas hölzern, die Situationen aber, in die Bouba und Violeta unterwegs geraten, von absurden Grenzkontrollen mitten in der Wüste bis hin zum mehrfachen Abschieben ins jeweils andere Land, das sich marokkanische und algerische Grenzbeamte mit Bouba leisten, als wäre er ein Ball, den man hin und her schießen kann; diese ganze Beliebigkeit des Überlebenskampfes wirkt authentisch.

Was den Film schwächt, ist sein erzählerischer Anteil, das Drama zweier Flüchtlinge, für das eine solche Beliebigkeit nicht gelten dürfte, und aus dem man zusätzlich durch lehrfilmartige Landkarteneinblendungen und afrikanische Wohlfühlmusik herausgerissen wird. Das ist schade, kommt doch der Film in einzelnen Szenen durchaus an den bewegenden Flüchtlingsfilm ALS DER WIND DEN SAND BERÜHRTE heran. Regisseurin Marion Hänsel hatte sich hier entschieden, die Geschichte einer Familie auf der Suche nach Wasser als Parabel zu inszenieren. Eine solche Entschlossenheit fehlt Olivares.

Dennoch gelingt es ihm, an der richtigen Stelle die Frage zu plazieren, die ihm offenbar auf den Nägeln brennt. Er setzt den Flüchtlingen einen weisen Tuareg entgegen, der seinen trockenen Landstrich für nichts auf der Welt verlassen würde und bedauert, daß sein Kontinent ausblutet. So vermittelt der Film Verständnis für das, was die Flüchtlinge hinter sich haben, bevor sie überhaupt aufs Boot und nach Europa gelangen, und fragt zugleich: Ist es das wert und eine Alternative denkbar? Zumal die endlosen Strapazen mit der Ankunft in Europa keineswegs beendet sind.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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