Originaltitel: 7 VÍRGENES

Spanien 2005, 86 min
Verleih: Kool

Genre: Drama, Erwachsenwerden

Darsteller: Juan José Ballesta, Jesús Carroza, Vicente Romero, Alba Rodríguez

Regie: Alberto Rodriguez

Kinostart: 16.11.06

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7 Jungfrauen

Von schwieriger Freiheit und kaschierten Träumen

Die Ansage ist deutlich: "Reiß dich zusammen!" Tano darf raus, für zwei Tage, raus dem Jugendknast, raus, weil sein Bruder heiratet. Ein Blick in das Gesicht des Halbwüchsigen sagt vieles: der Junge ist vernunftbegabt, aber auch wild, ein ganz normaler Kerl also von 16 Jahren, in einem nicht ganz normalen Umfeld. Stadtrand von Sevilla, Biotop für sozial Benachteiligte, aufgeteilte Territorien für rivalisierende Gangs. Hier brennt die Luft, man kann Ärger und Groll förmlich riechen. Doch Tano ist guter Dinge, er will zu seiner Freundin, dann zu seinem besten Kumpel Richi. Erst Sex haben und dann was Schräges anstellen. Tano ist eben 16. Ein großes Herz hat er aber auch: so fühlt er mit malträtierten Hunden, und seiner Oma ist er ein guter Enkel. Fast zärtlich gehen sie miteinander um, einen neuen Fernseher schenkt er ihr. Und doch weiß man schnell, daß es bald großen Ärger geben wird.

Dafür schaut Regisseur Rodríguez oft in die bisweilen scheuen Gesichter seiner Helden, damit enttarnt er ganz subtil ihren Habitus, der sich als Auslaufmodell eines antiquierten Machismo versteht. Eine Pose, die den Jungs aus eigenem Gefühl teilweise zu verkommen ist, ein Machismo, den sie dennoch pflegen und dabei in ihrer verrückten Verspieltheit enttarnen. Was Alberto Rodríguez’ Film über eine Vielzahl von Jugendporträts heraushebt, ist seine Ehrlichkeit: Rodríguez, selbst mit knapp 35 ein noch recht junger Filmemacher, setzt auf junge, frische Gesichter, nur der Tano wird von einem - trotz seiner 17 Jahre - schon erfahrenen Schauspieler gegeben. Rodríguez spricht eine Sprache, die sich nicht in aufgesetzter Jugendlichkeit als spekulativ verrät. Er und auch Fernando León de Aranoa sind aus einer neuen Generation von spanischen Filmemachern, denen Wut ganz gut steht, die über soziales Gewissen verfügen und bemüht sind, daran zu erinnern, daß es vieles gibt, was wir nur deshalb nicht wahrhaben, weil wir wegschauen.

Und davon erzählt auch sein Film, ohne Diktat versteht sich, dafür in Cinemascope. Dieses Format braucht seine Geschichte, das brauchen die Schicksale der Jungen, die ihnen manchmal selbst zu groß und in den Rändern unscharf werden, denen neben aller kriminellen Energie ein ganz bürgerlicher Wunsch innewohnt: Geborgenheit. Richi zum Beispiel träumt ganz einfach von einer Wohnung. Für ihn wird es ein Traum bleiben. Das Ende des Films ist hart, und Tano muß zusehen, was er mit mindestens einer Narbe mehr auf dem Herzen nach diesen heftigen 48 Stunden machen wird. Wir denken an ihn.

[ Michael Eckhardt
]

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