Originaltitel: 7 DIAS EN LA HABANA

Spanien/F 2012, 90 min
FSK 6
Verleih: Alamode

Genre: Episodenfilm, Tragikomödie

Darsteller: Daniel Brühl, Emir Kusturica

Regie: Benicio del Toro, Julio Medem, Gaspar Noé u.a.

Kinostart: 18.07.13

5 Bewertungen

7 Tage in Havanna

Sieh sie Dir an, diese Stadt!

Hüftkreisende Menschen, alte amerikanische Autos und verfallene Häuser: Das ist Havanna, wie wir es kennen. Das besondere Flair der kubanischen Hauptstadt haben schon viele Regisseure einzufangen versucht, am eindringlichsten Wim Wenders. In seinem Dokumentarfilm BUENA VISTA SOCIAL CLUB versprühten in die Jahre gekommene Musiker das kubanische Lebensgefühl, und die ganze Welt war begeistert. Auch in 7 TAGE IN HAVANNA ist dieses Lebensgefühl die Initialzündung. Allerdings wurde hier das „echte Leben“ mit Fiktion vermischt. Sieben meist lateinamerikanische und spanische Regisseure haben für je einen 15minütigen Episodenfilm eine Geschichte in diese bunte, lebendige Stadt hineininszeniert. Entstanden ist ein filmischer Flickenteppich.

Internationale Filmgrößen wie Gaspar Noé, Julio Medem, Laurent Cantet und Benicio del Toro wirken mit. Del Toro gibt sein Leinwanddebüt als Regisseur. Er läßt einen jungen Touristen aus Amerika durch städtische Clubs ziehen, um ihn am Ende vor den Trümmern seiner Sehnsüchte stehen zu lassen. Emir Kusturica steht in einem Film nicht hinter, sondern vor der Kamera und spielt niemand Geringeren als sich selbst: einen nicht allzu trinkfesten Regisseur, der die Welt und ihre Regeln nicht ernst nehmen kann.

Die Kurzfilme sind amüsant und kurzweilig und malen das Bild einer Stadt, deren Äußeres in der Vergangenheit stehengeblieben ist, ihr Inneres aber am Puls der Zeit kratzt. Andere Sequenzen hingegen wirken wie kleine Werbefilme für Havanna. Daniel Brühl verliebt sich in Julio Medems Folge in die Sängerin Cecilia, die sich zwischen ihrem alten und ihrem neuen Leben entscheiden muß. Die schönen Menschen haben in dieser schönen Welt keinen wirklichen Platz. Sie wirken wie Statisten und fungieren als reine Träger der Botschaft: „Keine Stadt ist so schön wie diese.“

Doch die Faszination für Havanna bekommt durch die Fremdheit dieser Welt Risse. In der Sequenz von Gaspar Noé kommen sich zwei junge Frauen auf einer Party näher. Die Eltern unterziehen die Tochter deshalb einem Reinigungsritual, für das der Körper des Mädchens im Fluß gewaschen wird. Ein anderes Mal schuftet eine ganze Hausgemeinschaft einen Tag lang dafür, daß die Jungfrau Maria geehrt wird. Wie aus der Zeit gefallen scheinen diese Traditionen. Am Ende spürt man nicht nur Leidenschaft, sondern auch Zerrissenheit, die das Leben auf der Insel mit sich bringen muß.

[ Claudia Euen ]

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