CH/D 2015, 118 min
Verleih: dèjá-vu

Genre: Dokumentation, Schicksal

Regie: Nicolas Steiner

Kinostart: 25.02.16

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Above And Below

Tunnelblick, Marsmission und Flaschenpost

Ein Wort fällt immer wieder: Respekt. Man mag als Zuschauer lächeln über die Protagonisten von ABOVE AND BELOW, mag traurig werden über ihr Dasein. Respekt aber haben sie alle verdient – Rick und Cindy, Lalo, April und David. Sie sind Bürger der Vereinigten Staaten von Amerika. Sie leben im Flutkanal von Las Vegas, in einem alten Army-Bunker mitten in der Wüste, oder erkunden in selbstgebauten Raumanzügen die Steinlandschaft Utahs. Norm(al) sieht anders aus.

Der Schweizer Regisseur Nicolas Steiner sieht seinen Diplomfilm als Reise vom Mars zur Erde und unter die Oberfläche, als Tête-à-tête von oben nach unten mit Blick nach vorn. Natürlich geht es auch ums große Heimatlos, um Armut und Überlebenskonzepte, um zutiefst Menschliches also, das viel zu real ist, um allein dem künstlerischen Ausschlachten ausgeliefert zu sein. Doch ABOVE AND BELOW entkommt Vorwürfen mit einer sicht- und fühlbaren Zuneigung des Filmemachers seinen „Helden“ gegenüber, ohne die jedes noch so faszinierend gebaute Bild, jeder noch so genial vernetzte Ton des Soundtracks eben nur künstlich wäre, steril und am Ende leer.

Der Streifen ist keine zehn Minuten alt, da hat er als Dokumentation schon die nicht unbedingt verwandten Genres Mystery-Thriller und Science-Fiction gestreift. Denn er präsentiert Orte, die sich fast zwei Stunden lang als kinotauglich, aber eben lebensfeindlich erweisen. Er ist unten im Tunnel, wo das Liebespaar Rick und Cindy seine „Wohnung“ hat, wo der zu früh zu alt gewordene Lalo mit Geistern kämpft und Gospels singt. Wo ab und an das Wasser kommt und sie danach zwingt, von vorn zu beginnen. ABOVE AND BELOW ist bei Ex-Soldatin April und den anderen einer obskur anmutenden Mars-Society, deren Mission das Simulieren von Expeditionen ist. Und er ist bei Dave, der in totaler Einsamkeit Schlagzeug spielt, Feuerameisen verfeuert und mit leeren Flaschen in den Wüstensand schreibt, er brauche 7000 Dollar. Am Ende dann haben diese Menschen vom Rand in „ihren“ so bizarren Landschaften echte Kontur.

2015 war Bastian Günthers Leinwand-Meditation CALIFORNIA CITY mit einer Handvoll Außenseiter in sterbenden Regionen der USA im Kino. Auch aufgrund der Parallelen inhaltlicher und stilistischer Art zu ABOVE AND BELOW könnte die mutmaßlich besonders ausgeprägte Hinwendung europäischer Regisseure zu diesem Sujet seltsam erscheinen. Ist sie aber nicht.

[ Andreas Körner ]

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