Originaltitel: ACTRICES

F 2007, 107 min
Verleih: Piffl

Genre: Drama

Darsteller: Valeria Bruni Tedeschi, Noémie Lvovsky, Mathieu Amalric, Louis Garrel

Regie: Valeria Bruni Tedeschi

Kinostart: 17.04.08

1 Bewertung

Actrices

Ergreifend manierierte Tragikomödie

Kurz vor ihrem 40. Geburtstag übernimmt Marcelline, eine erfolgverwöhnte, alleinstehende Schauspielerin, die Hauptrolle in Turgenews Stück "Ein Monat auf dem Lande". Die Probenarbeiten und ihr bisher stringent verlaufendes Leben aber kreuzt eine tiefe Krise. Nicht nur Mutter und Tante fragen nach dem Mann an ihrer Seite, Marcelline sehnt sich selbst nach der großen Liebe. Und zudem, ihre Ärztin erinnert nur sacht das Ticken der biologischen Uhr, wünscht sie sich ein Kind. Aber wie aus dem alten ein neues Leben machen?

Die Wiederbegegnung mit der früheren Studienkollegin Nathalie macht die Sache nicht einfacher - diese mit einem Ehegatten und Nachwuchs gesegnet, scheint zu haben, was Marcelline sich wünscht. Und auch mit dem übrigen Ensemble, vor allem mit ihrem schönen jungen Widerpart Éric sowie dem Regisseur des Stückes, bahnen sich emotionale Verwicklungen an É

Valeria Bruni Tedeschi übernimmt auch in ihrer zweiten Drehbuch- und Regiearbeit zugleich die Hauptrolle und wiederum agiert sie mit der großen Verve einer erfahrenen Aktrize. So fesselt der Charakter der Marcelline, auch diesmal mit autobiographischen Zügen ausgestattet, durch seine Zwiespältigkeit. Zwischen eigener Verletzlichkeit und dem Verletzen Anderer, zwischen Schüchternheit und Trotz, Verwirrung und Berechnung - Bruni Tedeschi zeigt sich im Ausdruck des scheinbar Unvereinbaren auf der Höhe ihrer Kunst. Auch die übrigen Darsteller überzeugen durchweg, vor allem der adrette Louis Garrel als Éric, und die Inszenierung - inklusive Traumsequenzen mit dem Auftritt von Geistern sowie der Auferstehung von Marcellines Rollenfigur (eine Reminiszenz an Woody Allens THE PURPLE ROSE OF CAIRO), glänzt mit Ideenreichtum.

Über die Länge des Films aber vermag das nicht zu tragen und selbst die Doppeldeutigkeit von Dialogen wird überspielt von einer Präsenz, die zugleich des Filmes Stärke ist - von der Bruni Tedeschis. Die Schauspiel-Regisseurin gerät zudem in seichte Gewässer, wo Bedeutungswille in beinahe lächerliche Szenen mit erzwungenem Realitätsanspruch mündet (etwa beim Gynäkologen) oder in allzu fernem Philosophieren (über die Zeugung eines Kindes mit der eigenen Mutter). Nicht zuletzt ist es auch die Wiederholung in Mimik, Gestik und Auftreten einer Neurotikerin, die irgendwann doch langweilt. Das verführt zu vom Film abfallenden Gedanken - hin zu solchen an ein bißchen viel "Theater".

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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