Originaltitel: INSIDE OUT

USA 2015, 95 min
FSK 0
Verleih: Disney

Genre: Computeranimation, Kinderfilm, Abenteuer

Stab:
Regie: Pete Docter
Stimmen: Olaf Schubert, Bettina Zimmermann, Kai Wiesinger

Kinostart: 01.10.15

13 Bewertungen

Alles steht Kopf

... wenn Pixar es ernst meint

Nach einander zugeneigten Robotern, einer kulinarisch begabten Ratte oder gutmütigen Monstern verschlägt es Pixar jetzt ins Gehirn des 11jährigen Mädchens Riley. Dort arbeiten fünf Gefühle eng zusammen: Freude bringt eben jene, Wut wirkt regulierend, Angst rät zur Vorsicht, und Ekel schützt mit kessem Hüftschwung vor Gefahren wie Broccoli.

Bislang wenig klar definiert zeigt sich hingegen Kummers Funktion. Nun, kann ja noch kommen und wird es selbstverständlich, am Ende einer Reise, an deren Beginn ein Unfall steht. Dieser saugt Freude und Kummer Richtung Langzeitgedächtnis, die Kontrollzentrale besetzen plötzlich bloß noch Angst, Ekel und Wut. Ein unhaltbarer Zustand, zumal Riley eh akzeptieren muß, fortan in einer fremden Stadt zu leben. Überstunden für die Kopfarbeiter, unmöglich ohne Freude! Es beginnt eine abenteuerliche Odyssee ...

Alles das ist unterhaltsam, clever, manchmal traurig, und es wird umrahmt von der besten je erdachten Pixar-Geschichte. Was aber nicht verhindert, daß man verblüfft vielleicht erst im Nachgang einige Qualitäten vermißt. Wo ist sie beispielsweise hin, die unglaublich detaillierte, zum Entdecken einladende Animation, hier aufs – phantasievolle – Wesentliche beschränkt? Warum gibt’s erstaunlich wenig zu lachen oder nur zu schmunzeln, obwohl auch Humor immer Pixars Markenzeichen war? Verbunden mit hoher Emotionalität, an der es zusätzlich mangelt, weil die beiden Quasi-Protagonistinnen es schwer machen, sich mit ihnen zu identifizieren – die penetrant gut gelaunte Freude bleibt, eigenständig betrachtet, ebenso fern wie das selbstmitleidige Gegenstück namens Kummer. Ganz logisch, fehlt ihnen, den Einzelausprägungen, doch die Komplexität vieler Facetten.

Und schlußendlich sollten Eltern bedenken: Mehr denn je richtet sich ALLES STEHT KOPF an erwachsene Zuschauer, er spielt sich streckenweise faktisch über Kindern ab. Ausgedünnte Erinnerungen, als Mahjong-Steinchen visualisierte Fakten und Meinungen, ein sich praktisch opfernder imaginärer Freund, das für Unruhestifter reservierte Unterbewußtsein ... Tolle Einfälle, nur häufig außerhalb der Verständlichkeit des kleinen Publikums rangierend und, wie erwähnt, bloß partiell durch Witz oder Emotion unterfüttert.

Heißt: Pixar liefert natürlich wieder ein Meisterstück, allerdings auf Kosten dessen, was zu erwarten war. Hirn statt Herz – hmmm ...

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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