Originaltitel: SI LE VENT SOULÈVE LES SABLES

Belgien/F 2006, 96 min
Verleih: Kinowelt

Genre: Drama

Darsteller: Said Abdallah Mohamed, Isaaka Sawadogo, Carole Karemera

Stab:
Regie: Marion Hänsel
Drehbuch: Marion Hänsel

Kinostart: 02.08.07

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Als der Wind den Sand berührte

Wenn die Heimat zur Wüste wird

Filme mit sozialem Anspruch haben es wahrlich nicht leicht. Für die Masse sind sie generell zu schwierig, und selbst der sogenannte Bildungsbürger bevorzugt nach einer Tagesration Schreckensmeldungen aus der Süddeutschen eher leichte Kost am Kinoabend. Zudem schaut die Journaille bei Werken mit sozialkritischem Sujet besonders genau hin, ob auch ja alle wichtigen Aspekte berücksichtigt sind und bloß kein hollywoodsches Schindluder mit realem Elend getrieben wird. Die belgische Regisseurin Marion Hänsel wählt in ihrem Drama sogar noch eine höhere Schwierigkeitsstufe: als europäische Filmemacherin wagt sie es, die Nöte des Sorgenkontinents Afrika zu thematisieren.

Hänsel erzählt von der beschwerlichen Migration einer fünfköpfigen Familie, die ihr Dorf in Ostafrika wegen Wasserknappheit verlassen muß. Familienoberhaupt Rahne besteht auf dem Weg gen Osten, der durch bedrohliches Kriegsgebiet führt, während die meisten Familien des Dorfes die längere Reise nach Süden antreten. Zunächst gelingt es Rahne, die korrupten Militärs auf der Route mit Vieh zu bestechen, schon bald aber fordert das Vorankommen auf der Suche nach besiedelbaren Wasserstellen ein Menschenleben nach dem anderen. Einzig Rahnes kleine Tochter Shasha vermag den umbarmherzigen Umständen wacker zu trotzen.

Der Film ist laut Presseheft eine Parabel über die Ausweglosigkeit, in der sich Afrika befindet. Die Parabel als Erzählform für ein Drama heranzuziehen ist problematisch, da sie Reflexion statt Empathie in den Vordergrund stellt. Mitgefühl für ihre notleidenden Figuren will Hänsel aber eben unbedingt und permanent erzeugen. Ein Widerspruch, der ihren Film nach und nach so sehr schwächt wie der quälende Durst seine Charaktere. Durch die gnadenlose Steigerung der niederschmetternden Schicksalsschläge, welche die spärlich eingeführten Protagonisten erleiden müssen, ergibt sich neben Vorhersehbarkeit auch Distanz zu diesen Menschen.

So wird gottlob übertriebene Sentimentalität zwar vermieden, aber fatalerweise zugleich die angestrebte emotionale Verbindung zu den Figuren gekappt. Die weltpolitische Relevanz des Themas von ALS DER WIND DEN SAND BERÜHRTE steht nicht zur Diskussion. Die filmische Wirksamkeit des Dramas hingegen schon eher.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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