Originaltitel: ANTON CORBIJN INSIDE OUT

NL/Belgien/Irland 2012, 80 min
FSK 0
Verleih: Capelight

Genre: Dokumentation, Biographie

Regie: Klaartje Quirijns

Kinostart: 26.04.12

1 Bewertung

Anton Corbijn Inside Out

Licht und Schatten eines Getriebenen

Anton Corbijns Werk ist untrennbar mit der Musik verbunden. Auch wenn er in seinen weltberühmten Fotografien viele Nicht-Musiker porträtierte, so sind es doch seine Musikerporträts, die ikonographisch geworden und in die Annalen des Rock’n’Roll eingegangen sind. Das Cover vom legendären U2-Album „The Joshua Tree“ etwa, das untrennbar mit der Bandgeschichte der Weltstars um Bono Vox verknüpft ist. Die Musik brachte Corbijn auch zu seinen ersten Ausflügen ins bewegte Bild, zur Regie von Musikvideos. Seine Arbeiten zu Nirvanas „Heart Shaped Box“ oder Depeche Modes „Personal Jesus“ kennt jeder, der mit MTV aufgewachsen ist. Als sich Anton Corbijn der Filmregie zuwandte, war es nur logisch, daß ein Musiker-Biopic sein Debüt sein würde. Mit CONTROL, einer Abhandlung über den Joy-Division-Sänger Ian Curtis, etablierte sich Corbijn auch in der Filmwelt als großer Künstler und legte mit THE AMERICAN vor zwei Jahren einen stimmigen Killer-Thriller nach.

Nun hat Corbijns Landsmännin Klaartje Quirijns einen Film über den introvertierten Virtuosen gemacht. Ein mutiges Unterfangen, schließlich stellt sich die Regisseurin eine doppelt schwere Aufgabe. Zum einen muß sie in ihren Filmbildern mit der Schönheit von Corbijns Arbeiten zumindest ansatzweise mithalten können. Zum anderen will sie dem in sich gekehrten Einzelgänger Corbijn intime Details entlocken, wie der Titel eindeutig proklamiert. Beides meistert die Filmemacherin mit Bravour. Das visuelle Konzept ihrer Dokumentation überzeugt ebenso wie die Einblicke in das Leben des Privatmenschen Corbijn. Man erfährt viel über die Vergangenheit, über die Getriebenheit, über die Einsamkeit dieses Mannes. Einige Szenen, wie etwa ein sehr intimes Gespräch mit seiner Mutter, verblüffen regelrecht anhand der Tatsache, daß der scheue Corbijn sie freigegeben hat.

Am Ende bleibt eine Leerstelle. Das Liebesleben des Anton Corbijn bleibt Tabu, wird lediglich in seiner ausgestellten Unfähigkeit zu tieferen zwischenmenschlichen Bindungen thematisiert. Vielleicht ist es ein notwendiger Schatten in einem nahezu perfekten Porträt, das sonst schon so viel Licht auf das Leben eines Mannes wirft, der vom großteiligen Eindruck her eigentlich lieber im Dunkeln bleiben möchte. Lassen wir ihm dieses letzte Stück Schatten und freuen uns an den vielen lichten Momenten dieses seltenen Einblicks in ein Weltstarleben.

[ Paul Salisbury ] Paul mag vor allem Filme, die von einem Genre ausgehen und bei etwas Neuem ankommen. Dabei steht er vor allem auf Gangsterfilme, Western, Satire und Thriller, gern aus der Hand von Billy Wilder, Sam Peckinpah, Steven Soderbergh, Jim Jarmusch, den Coen-Brüdern oder Paul Thomas Anderson. Zu Pauls All-Time-Favs gehören DIE GLORREICHEN SIEBEN, TAXI DRIVER, ASPHALT COWBOY, SUNSET BOULEVARD, POINT BLANK ...

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