Originaltitel: ATOMIC AGE

F 2011, 70 min
FSK 12
Verleih: Pro Fun

Genre: Drama, Poesie, Liebe

Darsteller: Dominik Wojcik, Niels Schneider, Clémence Boisnard

Regie: Héléne Klotz

Kinostart: 16.08.12

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Atomic Age

Die blaue Stunde

Eine durchwachte Nacht – zwei junge Männer fahren mit dem Zug ins Pariser Zentrum, eine scheinbar endlose Reise, von der Dämmerung verschluckte Häuser, fließendes Licht. Dazu als Musik Elvis’ Schmachtfetzen „In The Ghetto.“ Victor und Rainer, die zwei melancholischen Freunde aus der Vorstadt, die irgendwie auch mehr verbindet als nur Freundschaft, auf dem Weg in die Disco. Es ist, als stiegen sie hinab in den Hades, auf der Suche nach einer Liebe, die sie von dort ans Licht bringen könnten, auf der Suche nach Erfüllung oder gar: Erlösung. Victor wünscht sich, daß ein Mädchen einfach nur mal ja sagt – langsam geht ihm der Mut aus. Rainer wünscht sich, daß jemand den Strom abstellt, damit die Nacht endlich wieder sichtbar wird. Verführung und Enttäuschung, ein ewiger Kreislauf.

Sie leiden an der Welt, sie sind voller Sehnsucht, sie haben große Worte dafür – und ein Recht auf diese Poesie, daran läßt Regisseurin Héléne Klotz keinen Zweifel. So zärtlich und geduldig fängt die Kamera immer wieder ihre Gesichter ein, in wechselndem Licht. Mal wirken sie schön, mal häßlich, mal sanft und zerbrechlich, mal brutal. Sie kämpfen mit den Snobs aus Paris, den Jungs mit den blonden Engelslocken und den Designerbrillen. Es geht um Stil, um Geld, um Rang. Und dann treten sie den Rückweg an, und eine weitere Odyssee führt sie in die blaue Stunde.

Ist es eine Freundschaftsgeschichte, eine Liebesgeschichte, eine Coming Of Age-Geschichte? Klotz engt den Spielraum nicht ein und läßt dem Zuschauer die Verwirrung und die Imagination. Sie verführt ihn, selbst hinabzusteigen in ein irreal wirkendes Paris des Lichts, umrahmt von Dunkel. Neben den faszinierenden Hauptdarstellern trägt die meditative Stimmung den Film, am Ende läßt sie ihn gar wie Science-Fiction wirken.

ATOMIC AGE ist eine schöne und ungewöhnliche Einladung, aufrichtig und konzentriert, sich die Jugend wieder zu entdecken, die in ihrer Unschuld, ihrer Ernsthaftigkeit, ihrer Unberechenbarkeit und ihrer Perspektivlosigkeit mal Mitgefühl, mal Heiterkeit verbreitet. Ein bißchen Weltschmerz schadet sicherlich niemandem – und das Kino kann ruhig mehr solcher Filme gebrauchen, die sich eher assoziativ erschließen, aus dem Bilderrausch.

[ Lars Meyer ] Im Zweifelsfall mag Lars lieber alte Filme. Seine persönlichen Klassiker: Filme von Jean-Luc Godard, Francois Truffaut, Woody Allen, Billy Wilder, Buster Keaton, Sergio Leone und diverse Western. Und zu den „Neuen“ gehören Filme von Kim Ki-Duk, Paul Thomas Anderson, Laurent Cantet, Ulrich Seidl, überhaupt Österreichisches und Skandinavisches, außerdem Dokfilme, die mit Bildern arbeiten statt mit Kommentaren. Filme zwischen den Genres. Und ganz viel mehr ...

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