CH 2007, 88 min
Verleih: Salzgeber

Genre: Dokumentation

Regie: Christoph Schaub, Michael Schindhelm

Kinostart: 17.07.08

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Bird’s Nest

Wie Peking zu seinem Stadion kam

Die Basler Stararchitekten Jacques Herzog und Pierre de Meuron gewannen 2003 die Ausschreibung für das "National Stadium" in Peking, welches von den chinesischen Medien ob seiner äußeren Form und der positiven Besetzung dieses Bildes "Vogelnest" getauft und Austragungsort der Olympischen Spiele sein wird.

Christoph Schaub und Michael Schindhelm haben über vier Jahre lang einen Prozeß dokumentiert, an dessen Ende die Fertigstellung eines der faszinierendsten Bauwerke unserer Zeit steht. Entstanden ist einerseits ein Film über ein Architektenduo und ihre Methode des kontextuellen Bauens. Für ihre Projekte in China - zeitgleich liefen Planungen für einen neuen Stadtteil in Jinhua - haben die Architekten nicht nur umfassend recherchiert, sondern sich zudem "kulturelle Übersetzer" ins Boot geholt. Ai Weiwei, chinesischer Konzeptkünstler, Kurator, Architekt und Publizist, und Dr. Uli Sigg, China-Kenner seit den 70ern, ehemaliger Botschafter in Peking und heute Sammler zeitgenössischer chinesischer Kunst, waren unschätzbare Ratgeber und Vermittler im Ringen um den Zuschlag und das Zustandekommens des Baus. Der Film begibt sich aber auch auf die chinesische Seite. Hier treffen die Regisseure auf pragmatische Funktionäre wie Dr. Yiou Qui Rong, der die innovative Ausstrahlung zeitgenössischer Architektur schätzt, auf Architekten wie Li Zinggang vom chinesischen Partnerbüro der Schweizer und auf Li Aiqing, einen Pekinger Wirtschaftsboß, der - zwar besorgt um den Fortbestand des Projektes - wegen möglicher Interventionen seitens der Politik erhebliche Sparzwänge einlösen muß.

Zwischen den Interviews vermitteln Bilder vom chinesischen Alltag eine Ahnung davon, welche Aspekte und Kenntnisse der chinesischen Kultur und des urbanen Zusammenlebens in den Bau des "National Stadium" einflossen. Dieses, in immer neuen Ansichten und verschiedenen Bauabschnitten fotografiert, bleibt dabei das unbestrittene Zentrum des Films. Kritische Wortmeldungen dagegen sind genauso rar, wie Stimmen aus dem Volk, für das Herzog und de Meuron bauen. Einige Statements der Architekten selbst lassen zwar aufhorchen, sie wirken aber vor allem kontrolliert. Daß "gute Architektur nicht nur in Demokratien entstanden ist" und man ein solches Mammut-Projekt in dieser Zeit in der Schweiz nicht hätte stemmen können, solche Äußerungen wirken wie Ausflüchte. Oder wie Rechtfertigungen zweier begnadeter Workaholics, die das "vielleicht wichtigste Gebäude ihrer Karriere" verwirklicht haben.

[ Jane Wegewitz ] Für Jane ist das Kino ein Ort der Ideen, ein Haus der Filmkunst, die in „Licht-Schrift“ von solchen schreibt. Früh lehrten sie dies Arbeiten von Georges Méliès, Friedrich W. Murnau, Marcel Duchamp und Man Ray, Henri-Georges Clouzot, Jean-Luc Godard, Sidney Lumet, Andrei A. Tarkowski, Ingmar Bergman, Sergio Leone, Rainer W. Fassbinder, Margarethe v. Trotta, Aki Kaurismäki und Helke Misselwitz. Letzte nachhaltige Kinoerlebnisse verdankt Jane Gus Van Sant, Jim Jarmusch, Jeff Nichols, Ulrich Seidl, James Benning, Béla Tarr, Volker Koepp, Hubert Sauper, Nikolaus Geyrhalter, Thierry Michel, Christian Petzold und Kim Ki-duk.

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