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Bocksprünge

... vollführen teils erzählerischen Schweinsgalopp

Wenn die alte Sage stimmt, daß ein guter Film in den ersten zehn Minuten überzeugt, hat der hier perfekte Karten – so schräg, wie er beginnt: Udo will eben zum Sex mit Maya schreiten, da platzt Doris herein, Udos Frau und Mayas beste Freundin. Doris weiß Neuigkeiten zu berichten, hat doch Mayas Lebensgefährte Silvan die Praktikantin Valerie geschwängert. Einen von der sich versteckenden Maya ausgehenden Heulkrampf später sitzt man zu dritt bedröppelt rum, bis Silvan nebst Affäre auftaucht. Plötzlich rennt jeder jedem hinterher bzw. voreinander weg, wobei Doris auf Rudolf trifft, welcher seiner einst spurlos verschwundenen Liebe Eva nachtrauert. Und Udo macht Valerie erst mal Kaffee, ehe beide in der Wanne landen.

Verwirrtes Kopfkratzen hilft da nur bedingt weiter, in diesem Stil setzt sich der knallige Beziehungsreigen fort, oft herrlich absurd, manchmal melancholisch, immer dem Plakat verpflichtet, welches verkündet: „Ein komischer Film von Eckhard Preuß.“ Was gleich mehrfach stimmt. Am Regisseur bestehen nun keinerlei Zweifel, Komik gibt’s ebenfalls genug, wofür allein schon die von klarem Pinselstrich umrissenen Figuren Verantwortung tragen, herausstechend klischiert Valerie, jener zu Fleisch gewordene Blondinenwitz mit unschuldigem Rehaugenklimpern, naiver Mädchensprache und herzlich wenig intellektuell belastender Geistesgröße („Is’ Udo ’ne Abkürzung?“).

Andererseits wird das Treiben aber immer dann seltsam, wenn es nicht zu wissen scheint, wohin der eingeschlagene Weg eigentlich führen soll, es mehrheitlich darum geht, hinter Vorhängen, Sichtschutzwänden oder anderen mehr oder weniger sinnvoll in der Botanik implementierten entdeckungssicheren Dingen verborgen zu hören, was die liebe Umwelt tatsächlich über den schockierten Lauscher denkt. Da entgleitet der rote Faden, Schlingen geraten zu Knoten, schließlich sitzt mal wieder eine der Damen volltrunken am Tresen der nahen und stets nahezu unbesuchten Kneipe, um ein Paradebeispiel schlechten „Ich bin heftig besoffen“-Spiels zu liefern.

So hoppelt ein manchmal planloser Film im Schweinsgalopp dem erwarteten Happy End entgegen. Selbstredend wird wieder alles richtig toll gut – bis zum herzigen Schluß Yvonne Catterfeld mit ihrem fast sprachlosen Gastauftritt die Stimmung runterzieht. Und auch das kann man in doppelter Hinsicht verstehen ...

D 2013, 86 min
FSK 0
Verleih: Movienet

Genre: Komödie

Darsteller: Eckhard Preuß, Jule Ronstedt, Friedrich Mücke, Julia Koschitz, Benjamin Sadler

Regie: Eckhard Preuß

Kinostart: 20.11.14

[ Frank Blessin ] Frank mag Trash, Grenzgängerisches und Filme, in denen gar nicht viel passiert, weil menschliche Befindlichkeiten Thema sind. Russ Meyer steht deshalb fast so hoch im Kurs wie Krzysztof Kieslowski. Frank kann außerdem GEFÄHRLICHE LIEBSCHAFTEN mitsprechen und wird IM GLASKÄFIG nie vergessen ...

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